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WHO fordert weltweiten Fokus auf Diabetes

Diabetes Typ 2 ist global ein zunehmendes Gesundheitsproblem. Während in Industriegesellschaften so gut wie möglich gegengesteuert wird, sind die Chancen der Versorgung Betroffener in Entwicklungsländern mangelhaft bis schlecht. Vor allem die Behandlung der Patienten mit ­Insulin ist ein Problem. Arme haben oft das Nachsehen.

(5.5.2021) - Auf einem Online-Gipfel hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu neuen Maßnahmen zur Bekämpfung von Diabetes aufgerufen. Die Versorgung von Menschen mit Diabetes sei zunehmend gefährdet. Es hätten „zu viele Menschen immer noch keinen Zugang zu diesem unentbehrlichen, lebensrettenden Medikament“.

950.000 Menschen in der EU mit diabetischer Retinopathie

Der von der WHO ins Leben gerufene „Globale Diabetes-Pakt“ soll helfen, dies zu ändern. Die benötig­ten Mittel müssten auch während der COVID-19-Pandemie verfügbar gemacht werden, heißt es in Richtung der Regierungen weltweit. Erinnert wird an ein historisches Datum: die Entdeckung des Insulins vor 100 Jahren. „Diabetes ist eine Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet, die aber immer noch ein Schattendasein fristet“, kritisiert Dr. Nino ­Berdzuli, Leiterin der Abteilung Gesundheitsprogramme der Länder beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Deutlich wird die Unterversorgung u.a. bei Augenvorsorgeuntersuchungen für Menschen mit Diabetes. Schätzungsweise 950.000 Personen in der EU sind von der dia­betischen Retinopathie betroffen, einer häufigen Ursache verhinderbarer Sehbehinderungen und Erblindungen. Laut Regionalbüro verfügen aber nur sehr wenige Staaten über hochwertige Programme für diese Erkrankung. Lediglich sechs Mitgliedstaaten hätten in einer Befragung von einer vollständigen landesweiten Liste aller Menschen mit Diabetes berichtet, die für regelmäßige Augenuntersuchungen herangezogen werden könne. 17 Länder hätten keinerlei Angaben zur Bereitstellung bzw. Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen auf diabetische Retinopathie machen können.

In dem im April veröffentlichten „Global Diabetes Compact“ fasst die WHO zehn Gründe zusammen, warum der Fokus weltweit auf Diabetes gerichtet werden sollte. So gebe es u.a. steigende Erkrankungszahlen, unzureichende Prävention, Lücken bei Diagnose und Behandlung, einen fehlenden oder lückenhaften Zugang zu auf Diabetes spezialisierten Hilfen. Die Todesfälle aufgrund von Diabetes sind laut WHO seit dem Jahr 2000 um 70 % gestiegen, die Fälle vorzeitigen Todes aufgrund von Diabetes seit 2010 um 5 %. Bis zum Jahr 2045 wird mit 700 Mio. Menschen gerechnet, die weltweit an Dia­betes erkrankt sein werden. Zurzeit sind es 420 Mio. Diabetes steht inzwischen auf Platz 9 der Liste der Todesursachen.

Dieses Jahr sei ein Jahr des Rufs zum Aufwachen, mahnt der WHO-Generaldirektor Dr. Tedros ­Adhanom Ghebreyesus. In diesem Sinne argumentiert auch die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. Der Leiter der Entdeckergruppe des Insulins, Frederick Banting, habe schließlich mit dem Stoff kein Geld verdienen wollen. „Insulin gehört nicht mir, es gehört der Welt“, hatte der kanadische Arzt damals betont.

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