Wenn Diabetes die Harnblase schädigt
Menschen mit langjährigem Diabetes leiden weitaus häufiger an Blasenproblemen als stoffwechselgesunde Menschen. Dabei überlagern sich Speicher- und Entleerungsstörungen der Harnblase. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach den vorherrschenden Symptomen.
Eine wesentliche Spätfolge erhöhter Blutzuckerwerte ist die diabetische Neuropathie, die viele Organfunktionen stört. Die Schädigung des autonomen Nervensystems kann zu Beschwerden im unteren Harntrakt (lower urinary tract symptoms, LUTS) bis zur Harninkontinenz, zu retrograder Ejakulation (nach innen gerichteter Samenerguss) und zu erektiler Dysfunktion führen.
»Bei der diabetischen Blasendysfunktion liegt eine Speicher- und eine Miktionsstörung vor«, informierte Professor Dr. David Schilling, Klinik für Urologie am Isar-Klinikum München, beim online-Kongress »Diabetologie grenzenlos« Ende Februar. In der Frühphase komme es vor allem zu Harnspeicherproblemen mit starkem Harndrang (überaktive Blase, OAB) und hyperkontraktiler Detrusor-Muskulatur. Typisch sind plötzlich auftretender und kaum/nicht beherrschbarer Harndrang, Pollakisurie und Nykturie. Später dominieren Entleerungsprobleme, da die Blase aton (schlaff) geworden ist. Eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharnbildung bietet ideale Bedingungen für Keimwachstum in der Blase. Ebenso belastend für die Patienten ist ein ständiger Verlust kleiner Urinmengen (Inkontinenz).
Zur Häufigkeit der diabetischen Blasendysfunktion gibt es wenig konkrete Angaben. Gemäß der S2k-Leitlinie »Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter« (Stand 2018, AWMF-Reg. Nr. 057-017) leiden 43 bis 87 Prozent der Menschen mit Diabetes an einer Zystopathie; dabei geht das Gefühl für den Füllungszustand der Harnblase verloren. Etwa jeder zweite Ältere leide an einer Dranginkontinenz. Bei etwa 80 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen sei die Kontraktilität des Detrusors vermindert oder fehlt, schreiben die Leitlinienautoren.





