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Was es beim DIY Closed Loop in der Praxis zu beachten gibt

(Deutschland) - Die Zahl der „Looper“ wächst von Tag zu Tag. Entsprechend begegnen auch immer mehr Diabetespraxen einzelnen Patienten, die ihr CGM-System und ihre Insulinpumpe anders nutzen als von den Herstellern vorgesehen. Als das Thema „DIY Closed Loop“ vor einigen Jahren auch ins Bewusstsein der Ärzteschaft vordrang, überwogen noch Ablehnung und Skepsis. Die Hauptsorge galt neben medizinischen Risiken den (bis heute) ungeklärten Haftungsfragen.

Doch mittlerweile wandelt sich die Stimmung. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen hat sich die Looper-Bewegung in den vergangenen Jahren durch Misstrauen und Warnungen nicht einschüchtern lassen, sondern immer weiter an Zulauf gewonnen. Tagungspräsident Dr. Nikolaus Scheper formulierte es so: „Mich beeindruckt, mit welcher Hartnäckigkeit, welchem Ehrgeiz und Stolz die Community diese Pionierarbeit leistet.“ Zum anderen lässt sich kaum von der Hand weisen, dass erfahrene Looper gute Therapieergebnisse erzielen – in Bezug auf das Glukosemanagement ebenso wie auf ihre Lebensqualität.

Ein typisches Beispiel hierfür ist der 40-jährige IT-Sicherheitsingenieur Timm Korte, der seit 35 Jahren mit Typ-1-Diabetes lebt und seinen Weg zum DIY Closed Loop schilderte. Im Jahr 2014 erlitt er einem Krampfanfall infolge einer schweren nächtlichen Hypoglykämie, seine Frau musste den Notarzt rufen. Daraufhin stieg Korte auf ein CGM-System um. Nun wurde er bei stark steigenden oder sinkenden Glukosewerten zwar gewarnt, doch die wiederkehrenden Alarme zerrten an seinen Nerven.

Die rechtliche Einschätzung ist nicht trivial

„Nachdem unsere Tochter geboren war, gab es dann einen weiteren nächtlichen Störenfried. Meiner Frau und mir war klar, dass eine Alarmquelle wegmusste – und da wir das Baby behalten wollten, begann ich mich mit dem APS zu beschäftigen“, erzählte Korte. Seit 2017 nutzt er nun seinen DIY Closed Loop. Seine Glukosewerte liegen mittlerweile zu über 80 % im Zielbereich (80–180 mg/dL) und zu weniger als 1 % darunter.

Doch die rechtliche Einschätzung ist nicht trivial, wie der Medizinrechtler Dr. Alexander Dorn erläuterte. „Die Nutzung geschlossener Systeme ist nicht verboten, also ist das Loopen erst einmal grundsätzlich erlaubt. Es gibt hierzu bislang aber keine Gerichtsurteile.“ Man könne derzeit auch nicht seriös prognostizieren, wie die Justizorgane in entsprechenden Verfahren urteilen würden.

Interessierte müssen sich intensiv einarbeiten

Als einzige Rechtsquelle existiere bis dato ein 23-seitiges Gutachten zweier Rechtsanwälte, die 2018 im Auftrag der DDG überprüft haben, welche medizin-, straf- und zivilrechtlichen Vorgaben beim (ärztlichen) Umgang mit Loopern zu beachten sind. „Dieses Gutachten fasst die aktuelle unsichere Rechtslage in meinen Augen ziemlich gut zusammen“, meinte Dr. Dorn. Ärztinnen und Ärzte fühlen sich dem Patientenwohl verpflichtet, doch das Patientenwohl steht in den geltenden Normen ganz offenbar nicht im Fokus“, sagte der Anwalt.

Das ist auch für Ulrike Thurm, die als Diabetesberaterin über den Umgang mit Loopern sprach, das Kernproblem: „Beim Loopen dreht sich doch alles um das Patientenwohl!“ Wenn Patienten Interesse am DIY Closed Loop bekunden, dürften Dia­betesberaterinnen und -berater ihnen zwar nicht erklären, wie man den Loop konkret baut. „Doch wir können ihnen sehr wohl sagen, wo sie die entsprechenden Informationen dazu finden.“

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