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Warum helle Schlafzimmer zur Adipositas führen können

Bereits eine einzige Nacht in einem hellen Schlafzimmer hat in einem randomisierten klini­schen Experiment den Sympathikotonus erhöht und die Insulinempfindlichkeit am nächsten Morgen vermindert.

(Chicago, 28.3.2022) - Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS, 2022; DOI: 10.1073/pnas.2113290119) vorgestellten Ergebnisse liefern eine Erklärung für Beobachtungen aus epidemiolo­gischen Studien, in denen helle Schlafzimmer mit einem Anstieg des Körpergewichts assoziiert waren.

Die Lichtverschmutzung hat vor allem in den Großstädten dazu geführt, dass es in vielen Schlafzimmern nachts nicht mehr richtig dunkel wird. Hinzu kommt, dass viele Menschen im Schlafzimmer das Licht anlassen oder sogar den Fernseher laufen lassen. Dies beunruhigt nicht nur Schlafmediziner, die im „artificial light at night“ (ALAN) eine mögliche Ursache von Schlafstörungen sehen.

Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass die mit ALAN verbundene Störung der zirkadianen Rhythmik sich ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt. Mäuse werden durch eine leichte nächtliche Beleuchtung des Käfigs zu einer vermehrten Aufnahme von Futter verleitet. Die Tiere nehmen dann deutlich an Gewicht zu (Journal of Biological Rhythms, 2013; DOI: 10.1177/0748730413493862).

In der „Sister Study“, die 43.722 Frauen in den USA und Puerto Rico nach der ALAN-Situation im Schlafzimmer befragt hatte, waren hell erleuchtete Schlafzimmer (oder laufende Fernseher) mit einer Gewichtszunahme assoziiert. Innerhalb von 5 Jahren stieg die Zahl der Frauen, die 5 kg oder mehr zugenommen hatten, um 17 % an (relatives RR 1,17; 95-%-Konfidenzintervall 1,08 bis 1,27).

Auch eine Zunahme des Body-Mass-Index um 10 % (RR 1,13; 1,02-1,26) war signifikant, ebenso Neuerkrankungen an Übergewicht (RR 1,22; 1,06-1,40) und Adipositas (RR 1,33; 1,13-1,57), wie ein Team um Dale Sandler vom US-National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park/North Carolina in JAMA Internal Medicine (2019; DOI: 10.1001/jamainternmed.2019.0571) berichtete.

Ein Team um Daniela Grimaldi von der Feinberg School of Medicine in Chicago ist jetzt in einer rando­misierten Studie den Ursachen für die Gewichtszunahme auf den Grund gegangen. Die Forscher luden 20 gesunde Erwachsene ein, 2 Nächte im Schlaflabor zu verbringen.

In der 1. Nacht blieben die Zimmer dunkel (unter 3 Lux). Bei einer Hälfte der Teilnehmer wurde in der 2. Nacht das Licht angelassen (100 Lux) während die andere Hälfte wieder im Dunkeln verbrachte. 100 Lux entsprechen in etwa der ALAN, die in der epidemiologischen Studie von den Teilnehmern angegeben wurde.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/