Warum der „weibliche Diabetes“ so gefährlich ist
(Düsseldorf, 12.4.2021) - Sofiya Gancheva forscht am Deutschen Diabetes-Zentrum in Bilk zur Rolle des Geschlechts bei der Stoffwechsel-Erkrankung. Die Wissenschaftlerin sagt: „Wir brauchen ein Umdenken.“
Während in der Sprache und Mode über Genderneutralität diskutiert wird, spielt das Geschlecht in der Medizin eine immer größere Rolle. „Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes wissen wir, dass sie sich verschieden äußern und auch anders verlaufen kann, je nachdem, ob eine Frau oder ein Mann sie hat”, sagt Dr. Sofiya Gancheva, die am Deutschen Diabetes-Zentrum in Bilk unter anderem zum „weiblichen Diabetes” forscht.
Schon bei der Diabetes-Diagnose zeigten sich die Unterschiede der Geschlechter. So könne man Diabetes bei Männern bei einer Blutabnahme im nüchternen Zustand erkennen, als erstes Zeichen sei dann der Blutglukosespiegel, der sogenannte Nüchternblutzucker, erhöht. „Bei Frauen sieht man aber erst einen starken Anstieg der Glukosewerte nach dem Essen”, sagt Gancheva. Der sogenannte Glukosetoleranztest sei deswegen bei ihnen aussagekräftiger: „Dabei wird zuerst eine Zuckerlösung getrunken, dann die Blutglukose gemessen.“ Das sei allerdings aufwendiger und kostenintensiver, zudem fehle in vielen Arztpraxen dieses Wissen um den Unterschied bei Männern und Frauen. „Wir brauchen ein Umdenken, müssen den ,weiblichen Diabetes’ bekannter machen und Ärzte für die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Diabetes-Vorsorge und -Behandlung sensibilisieren”, sagt Gancheva.
Für Frauen kann das fatale Folgen haben. Denn die chronische Stoffwechselerkrankung wird bei ihnen somit oft erst viel später erkannt und damit auch erst viel später behandelt. „Eine Diabetes-Diagnose vor dem 40. Lebensjahr bedeutet bei Frauen aber den Verlust von durchschnittlich 14 Lebensjahren!”, warnt die Wissenschaftlerin, die auch als Ärztin an der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie der Düsseldorfer Uniklinik arbeitet.





