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Diabetesmedikament könnte Risiko von Genitalmissbildungen erhöhen

Eine Studie lässt vermuten, dass männliche Babys, deren Väter vor der Zeugung Metformin einnahmen, häufiger von bestimmten Geburtsfehlern betroffen sind.

(Odense/Kopenhagen, 31.3.2022) – Nahmen Väter in den Monaten vor der Kinderzeugung Metformin ein, erhöhte sich das Risiko für Geburtsfehler. Dazu zählten vor allem Genitaldefekte bei Jungen. Diesen Zusammen­hang stellten Forschende anhand der Daten von mehr als 1,1 Millionen Neugeborenen aus landesweiten dänischen Registern fest. Die prospektive Kohortenstudie wurde in Annals of Internal Medicine ver­öffent­lichte (2022; DOI: 10.7326/M21-4389).

Die Wahrscheinlichkeit von genitalen Fehlbildungen bei Jungen war bei väterlicher Metformineinnnah­me etwa 3 Mal höher als ohne diese Exposition (adjustierte Odds Ratio (aOR): 3,39, Konfidenzintervall (KI): 1,82-6,30). Metformin-exponierte Mädchen hatten dagegen kein höheres Risiko für genitale Fehl­bildungen.

Insgesamt hatten 3,3 % der untersuchten Babys mindestens einen Geburtsfehler. Sowohl bei Verordnung von Metformin als auch bei Verordnung von Sulfonylharnstoffen war das Risiko für Geburtsfehler erhöht.

Da die Verordnung von Sulfonylharnstoffen jedoch weitaus seltener stattfand als von Metformin, war das Ergebnis hier nicht signifikant (Metformin: n=1.451, aOR 1,4, KI 1,08-1,82; Sulfonylharnstoffe: n=647, aOR 1,34, KI 0,94-1,92). Die Metformineinnahme vor und nach dem Zeitraum der Zeugung hatte dagegen keinen Einfluss auf die Fehlbildungsrate. Nicht exponierte Geschwister hatten ebenfalls kein erhöhtes Risiko (Exponiert versus nicht exponiert OR 1,54, KI 0,94-2,53).

Insulin erhöhte Fehlbildungsrate nicht

Neben den beiden genannten Antidiabetika untersuchte das Forschungsteam auch den Einfluss von Insulin auf die Fehlbildungsrate. Hier zeigte sich kein Zusammenhang (n=5.298, aOR 0,98, KI 0,85-1,14).

Babys galten als exponiert, wenn ihre Väter mindestens 1 Mal in den 3 Monaten vor ihrer Zeugung eines der 3 untersuchten Diabetesmedikamente verschrieben bekommen hatten. Das entspricht dem Zeitraum der Spermatogenese. Die Studie untersuchte lediglich den Einfluss der Antidiabetikaeinnahme bei den Vätern. Kinder, deren Mütter bereits einen Diabetes mellitus oder eine essentielle Hypertonie hatten, wurden nicht in die Studie eingeschlossen.

Einfluss auf die Spermatogenese

Tatsächlich kann Metformin Einfluss auf die Spermienentwicklung haben. In einer tierexperimentellen Studie zeigte sich, dass Metformin zu entarteten Stammzellen in den Hoden von Ratten führen kann (Andrologia, 2017; DOI: 10.1111/and.12846). Inwieweit sich diese Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen sei allerdings unklar, erläuterte Wolfgang Rathmann, Professor und Leiter der Arbeitsgruppe Epidemiologie, Deutsches Diabetes Zentrum der Leibniz Universität Düsseldorf.

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