Typ-2-Diabetes in der Kindheit – oft schon Mitte 20 schwer krank
Mikrovaskuläre Schäden bereits im frühen Erwachsenenalter: Das sind oft die Folgen von Typ-2-Diabetes bei Heranwachsenden.
(Wiesbaden, 9.2.2022) - Schockierende Daten waren es, die der Bad Homburger Diabetologe Professor Andreas Hamann kürzlich beim virtuellen Internisten Update 2021 präsentierte: Wenn bereits in jungem Erwachsenenalter ein langjähriger Typ-2-Diabetes (T2D) besteht, hat jeder zweite Betroffene eine diabetische Nephropathie, jeder dritte eine diabetische Neuropathie und knapp 14 Prozent der Patienten haben eine diabetische Retinopathie – wohlgemerkt mit Mitte 20!
Das sind Daten aus den USA, wo die Inzidenz von T2D unter Jugendlichen seit 2002 um fast fünf Prozent pro Jahr gestiegen ist. Derzeit sind nach Daten der SEARCH-Studie dort knapp 30.000 Kinder und Jugendliche an T2D erkrankt, eine Zahl, die sich bei ungebremstem Trend bis 2060 versechsfachen wird, so Prognosen.
Die Daten zu den mikrovaskulären Komplikationen stammen aus der 2004 initiierten TODAY-Studie. Die ursprüngliche Vergleichsstudie zu medikamentösen Strategien bei T2D im Jugendalter war ab 2011 als Beobachtungsstudie fortgesetzt worden.
Eine Auswertung bei 500 Teilnehmern im Jahre 2020 ergab die genannten Komplikationsraten. Sie waren im Mittel 26 Jahre alt, hatten einen Body Mass Index von im Schnitt 35 kg/m2 und da bereits 13 Jahre T2D (N Engl J Med 2021; 385: 416-426).
Fast jeder zweite mit HbA1c über 10 Prozent
Die Stoffwechsellage der jungen Menschen war mit einem durchschnittlichen HbA1c von 9 Prozent „grottenschlecht“, so Hamann. Bis zu 45 Prozent der Teilnehmer hatten sogar HbA1c-Werte ≥10 Prozent.
Der Diabetologe verglich die Situation mit jener bei Typ-1-Diabetes. Zwar seien auch bei diesen Patienten unbefriedigende Stoffwechselsituationen in der Pubertät und bei jungen Erwachsenen nicht ungewöhnlich. So früh ausgeprägte Folgeschäden, wie jetzt bei T2D ermittelt, gebe es aber nicht.





