Diabetes Typ 2: Erhöhtes Demenzrisiko bei schlechter Blutzuckerkontrolle
Typ-2-Diabetes mit hohen oder schwankenden HbA1c-Werten ist mit erhöhten Demenzraten assoziiert. Eine gute glykämische Kontrolle könnte daher auch der kognitiven Gesundheit dienen.
(Londo. 19.8.2021) - In mehreren Metaanalysen hat sich gezeigt, dass Diabetiker im Vergleich zu Nichtdiabetikern ein bis zu 73 Prozent höheres Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung oder eine „Late-onset“-Demenz haben. Welche Rolle die glykämische Kontrolle langfristig für Komplikationen und das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetikern spielt, haben jetzt Bang Zheng vom Imperial College London und Kollegen in einer Kohortenstudie untersucht (Diabetes Care 2021; 44: 1556).
Das Team griff dazu auf elektronische Daten des UK Clinical Practice Research Datalink aus den Jahren 1987 bis 2018 von 457.902 Diabetikern im Alter ab 50 Jahren zurück. Der durchschnittliche HbA1c-Wert lag bei 7,4 Prozent. Vor Studienbeginn hatten 0,4 Prozent der Studienteilnehmer Hypoglykämien erlebt, bei 1,8 Prozent bestanden mikrovaskuläre Komplikationen wie Retinopathie, Neuropathie oder Nephropathie. Während der Beobachtungszeit hatten 3,8 Prozent der Patienten Hypoglykämien, 22,5 Prozent entwickelten mikrovaskuläre Komplikationen.
Demenzrisiko steigt mit dem HbA1c
In der Beobachtungszeit von im Median sechs Jahren wurden in der Studiengruppe 28.627 (6,3 Prozent) Demenzdiagnosen gestellt. Dabei war das Demenzrisiko bei Patienten mit Hypoglykämien oder mikrovaskulären Komplikationen in der adjustierten Analyse um 30 Prozent bzw. 10 Prozent höher als bei Personen ohne diese Komplikationen.
Bei 23.746 Diabetikern mit Demenzdiagnose lagen HbA1c-Werte vor. Dabei waren die HbA1c-Werte signifikant mit dem Demenzrisiko assoziiert: Nach Bereinigung von Störfaktoren stieg mit jeder Zunahme des HbA1c um einen Prozentpunkt das Demenzrisiko um 8 Prozent. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit guter Stoffwechselkontrolle (HbA1c 6-7 Prozent) wuchs das Demenzrisiko mit sich verschlechternder Stoffwechselkontrolle an, und zwar um 15 Prozent (HbA1c 8–9 Prozent), 26 Prozent (HbA1c >9-10 Prozent) und 40 Prozent (HbA1c >10 Prozent). Auch größere HbA1c-Schwankungen während der ersten drei Beobachtungsjahre waren mit einem höheren Demenzrisiko verknüpft (+3 Prozent pro Variation um eine Standardabweichung).
Im Vergleich zu den Patienten mit den geringsten HbA1c-Schwankungen, hatten diejenigen im zweiten, dritten und obersten Quartil ein um 6 bzw. 12 bzw. 13 Prozent höheres Demenzrisiko.
Das Fazit von Zheng und Kollegen: „Unsere Ergebnisse bestätigen den bereits nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Hypoglykämien und einem erhöhten Demenzrisiko bei Diabetespatienten. Darüber hinaus wurden das Vorhandensein mikrovaskulärer Komplikationen sowie hohe und schwankende HbA1c-Level während der Beobachtungszeit als unabhängige Demenz-Risikofaktoren identifiziert.“
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





