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Typ-1-Diabetes mit zwei Antikörpertests frühzeitig erkennen

Durch die Überwachung von Inselzellantikörpern kann einer Ketoazidose bei Ausbruch eines Typ-1-Diabetes in Kindheit oder Jugend vorgebeugt werden. Für ein effizientes Screening genügen vermutlich schon zwei Messungen.

(19.7.2022) - Bei der Diagnose eines Typ-1-Diabetes (T1D) weisen viele Kinder und Jugendliche eine Ketoazidose auf. In Deutschland ist etwa ein Viertel der unter 18-jährigen Patienten betroffen. Verhindern lässt sich die lebensbedrohliche Komplikation, indem Risikokinder regelmäßig auf Inselautoantikörper untersucht werden und ggf. eine entsprechende Schulung und ein Blutzuckermonitoring erhalten. Bisher ist aber unklar, ob und wie sich die Antikörpertests mit angemessenem finanziellem Aufwand für ein generelles Screening einsetzen lassen. Eine internationale Forschungsgruppe mit deutscher Beteiligung hat nun nach einer solchen Screeningstrategie gesucht. Ihr Vorschlag: Tests auf Inselzellantikörper im Alter von zwei und sechs Jahren. Laut der Studie Typ 1 Diabetes Intelligence (T1DI) sind diese beiden Testzeitpunkte ausreichend, um vier von fünf T1D-Erkrankungen bis zum 15. Lebensjahr korrekt vorhersagen.

Die T1DI-Studie besteht aus fünf prospektiven Kohorten mit zusammen fast 25.000 Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer Genetik oder eines erkrankten erstgradigen Verwandten ein erhöhtes T1D-Risiko haben. Vom ersten bis zum 14. Lebensjahr werden sie jährlich auf Inselzellantikörper (gegen Insulin, Glutamatdecarboxylase und Tyrosinphosphatase IA-2) getestet. 6722 Kinder (3605 Mädchen) wurden bis zum Auftreten eines Diabetes bzw. bis zu ihren 15. Geburtstag nachverfolgt; von ihnen haben 672 (10%) eine T1D-Diagnose erhalten.

Tests mit zwei und sechs Jahren

Erwartungsgemäß erhöhte sich die Sensitivität, mit der die Antikörpertests einen T1D bis zum 15. Lebensjahr vorhersagten, wenn bereits der Nachweis eines einzelnen der drei Autoantikörper als positiv gewertet wurde. Die verbesserte Sensitivität wurde mit einem laut Studienteam „akzeptablen“ Rückgang des positiven Vorhersagewerts (PPV) erkauft. Mehrere Messzeitpunkte verbesserten ebenfalls die Detektion der späteren T1D-Patienten, in diesem Fall ohne Auswirkung auf den PPV. Unter Abwägung von Sensitivität und PPV ergaben sich als optimale Zeitpunkte für einen zweigeteilten Test auf mindestens einen Inselzellantikörper das zweite und das sechste Lebensjahr, mit einer Sensitivität von 82% und einem PPV von 79%. Das heißt, mit diesem Vorgehen wurden von den späteren T1D-Patienten 82% korrekt identifiziert, und von den doppelt positiv getesteten Kindern erkrankten 79% tatsächlich an T1D.

PPV von 79% für Screening "akzeptabel"

„Wir glauben, dass dieser PPV akzeptabel hoch ist für ein pädiatrisches Screening“, so Studienerstautor Mohamed Ghalwash vom Center for Computational Health in New York. „Nach einem genetischen Vor-Screening eingesetzt, müsste die Mehrheit aller zukünftigen Fälle entdeckt werden, zu einer Nettoinvestition von weniger als einer Autoantikörpermessung für jedes Kind.“ Das Screening sei außerdem bei Kindern mit Hoch- und Niedrig-Risiko-HLA gleichermaßen sensitiv. Allerdings habe es zwischen den Kohorten Unterschiede in der Vorhersagegenauigkeit gegeben, möglicherweise seien länderspezifische Anpassungen des Screenings erforderlich.

Quelle: https://www.springermedizin.de/