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Typ-1-Diabetes – Lässt sich der Ausbruch verzögern oder gar verhindern?

Der Ausbruch eines Typ-1-Diabetes lässt sich inzwischen vorhersagen. Künftig könnte er vielleicht auch verhindert werden. Zumindest verzögern lässt er sich wohl, wie neue Studiendaten bei Kindern zeigen.

(Erfurt, 25.5.2021) - Ist eine Welt ohne Typ-1-Diabetes möglich? Forscher glauben daran, wie beim digitalen Diabetes-Kongress 2021 deutlich geworden ist. Der erste klinisch relevante Schritt dorthin wird bereits im Sommer dieses Jahres erwartet: Die Zulassung eines monoklonalen Antikörpers, der die klinische Manifestation eines Typ-1-Diabetes (T1D) bei Kindern um im Median fast drei Jahre hinauszögern kann.

Eine Immuntherapie bei T1D in der Regelversorgung wäre der „absolute Durchbruch“, sagte Professor Anette-Gabriele Ziegler aus München. Denn jede Verzögerung des Krankheitsausbruchs vor dem zehnten Lebensjahr reduziere langfristig die Mortalität.

Medikament für die Frühphase im Zulassungsverfahren

Derzeit läuft ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für Teplizumab bei der FDA und der EMA. „Es ist zu erwarten, dass in Kürze mehrere Medikamente für die Frühphase des T1D zur Verfügung stehen“, kündigte die Wissenschaftlerin vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München an.

10 bis 14 Jahre alt sind die Kinder meistens, wenn bei ihnen ein T1D manifest wird. Doch die autoimmunen Prozesse, die die Insulin-produzierenden Betazellen im Pankreas zerstören, setzen bereits viele Jahre zuvor ein: Erste Antikörper-Peaks lassen sich zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr feststellen, später kommen weitere Antikörper hinzu, außer gegen Inselzellen auch gegen Insulin, Glutamatdecarboxylase (GAD), Tyrosinphosphatase-homologe Proteine (IA-2), Zink-Transporter 8 und Tetraspanin 7.

„Über 90 Prozent der Menschen, bei denen sich ein Diabetes vor dem 20. Lebensjahr manifestiert, haben solche Antikörper“, erklärte Professor Peter Achenbach, München. Kombiniert man Antikörper-Tests mit metabolischen Markern wie dem Glukosetoleranztest, lässt sich die Progression hin zur klinisch manifesten Erkrankung vorhersagen.

Neue Stadieneinteilung bei Typ-1-Diabetes

Aus diesem Grunde hat sich eine neue Stadieneinteilung des T1D etabliert.

  • Im Stadium 1 finden sich mindestens zwei Autoantikörper, das heißt die Autoimmunerkrankung ist schon im Gange, aber die Kinder sind noch normoglykämisch.
  • Im Stadium 2 ist die Glukosetoleranz gestört (Dysglykämie), wenngleich ebenfalls meist noch unbemerkt. Werden Kinder in diesem Stadium identifiziert, sollte ein engmaschiges metabolisches Monitoring stattfinden, weil
  • dann der klinische Ausbruch (Stadium 3) unmittelbar bevorsteht.

Der Grund, warum 25 bis 30 Prozent der T1D-Erkrankungen sich mit einer diabetischen Ketoazidose manifestieren, ist, dass die beiden Frühstadien bislang nicht erkannt werden. Die positive Familienanamnese hilft bei der Früherkennung kaum: Nur jedes zehnte Kind mit neu erkanntem T1D habe einen nahen Verwandten mit Diabetes, so Achenbach.

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