Typ-1-Diabetes: Besonderheiten bei Beginn im Erwachsenenalter
Typ-1-Diabetes ist nicht gleich Typ-1-Diabetes. Zwischen Fällen, die im Kindesalter auftreten, und solchen, die erst Erwachsene betreffen, bestehen erhebliche genetische, immunologische und metabolische Unterschiede. Noch weiß man darüber recht wenig. Dadurch wird das Management der Erkrankung oft zur Herausforderung.
(17.12.2021) - Neueren epidemiologischen Daten zufolge betreffen mehr als die Hälfte aller neuen Typ-1-Diabetes-Erkrankungen Erwachsene. Da über die Unterschiede der beiden Entitäten nicht genug bekannt ist, besteht die Gefahr von Fehlklassifizierungen.
Klinisch lässt sich der akute, potenziell tödliche Diabetes im Kindesalter von der weniger aggressiven Form im Erwachsenenalter recht gut unterscheiden, schreibt das Team um Professor Dr. David Leslie vom Centre for Immunobiology an der Queen Mary University of London. Und man hat gelernt, dass nicht alle Kinder mit Typ-1-Diabetes insulinpflichtig sind und nicht alle Erwachsenen oral therapiert werden können. Nachdem immunologische, genetische und metabolische Analysen einige Abweichungen der beiden Varianten ergeben haben, hat man den insulinabhängigen und immunvermittelten Diabetes als Typ 1 neu definiert und die meisten anderen Formen als Typ-2-Diabetes umbenannt.
Auch viele erwachsene Typ-1-Diabetiker brauchen kein Insulin und ihre Hyperglykämie setzt eher graduell ein. Das ist einer der Gründe, warum 40 % von ihnen falsch zugeordnet werden, wobei das Fehlerrisiko mit dem Alter des Patienten zunimmt. Um die Situation zu bessern, initiierte die Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) im November 2019 einen Workshop mit internationalen Experten. Darauf basierend wurden Strategien für ein besseres Krankheitsmanagement bei Typ-1-Diabetikern entwickelt.
Erhöhtes Risiko für Autoimmunkrankheiten
Was die Genetik betrifft, geht die Erkrankung von Erwachsenen z.B. mit einer geringeren Hochrisiko-HLA-Heterozygotie einher und weist mehr schützende Genotypen auf. Immunologisch sieht man bei den Älteren häufiger Autoantikörper gegen die Glutamatdecarboxylase. Diese Antikörper dominieren auch unabhängig davon, ob die Patienten im Verlauf insulinpflichtig werden oder nicht, während andere krankheitsassoziierte Autoantikörper mit zunehmendem Alter weniger werden.
Erwachsene mit einem neu auftretenden Typ-1-Diabetes tragen ein erhöhtes Risiko für andere Autoimmunkrankheiten. 30 % entwickeln z.B. eine Schilddrüsenautoimmunität. Daher sollte bei klinischem Verdacht auf solche Komorbiditäten gescreent werden.





