Sport schützt das Herz? Nicht in kontrollierten Studien
Körperliche Aktivität gilt als Wundermittel gegen viele Zivilisationskrankheiten: Herz und Hirn bleiben gesund, das Leben wird verlängert. In kontrollierten Studien mit älteren chronisch Kranken ist davon aber praktisch nichts zu sehen.
(Umeå, 29.7.2021) - Es ist fast schon ein medizinisches Dogma: Viel körperliches Training ist gesund, beugt Herzkreislauferkrankungen und Diabetes vor und verlängert das Leben. Die WHO schätzt, dass sich jährlich weltweit fünf Millionen Todesfälle vermeiden ließen, würden sich sämtliche Sportmuffel dieser Welt öfter bewegen.
Solche Schätzungen beruhen praktisch ausschließlich auf Beobachtungsstudien, hier gibt es recht konsistent einen Zusammenhang zwischen hoher körperlicher Aktivität, reduzierter Mortalität und einem geringeren Risiko für nichtübertragbare Erkrankungen.
Allerdings lässt sich körperliche Aktivität kaum isoliert betrachten: Wer seinen Körper fit hält, tut ihm auch sonst viel Gutes, etwa über eine gesunde Ernährung. Es ist streng genommen also nicht ganz klar, welchen Bedeutung die körperliche Aktivität für die Lebensdauer und die Gesundheit im Alter hat. Hier sollte sich der Blick auf randomisiert-kontrollierte Studien (RCT) lohnen, dem Goldstandard der medizinischen Evidenz.
Viele Fallstricke
Also fast alles Unsinn mit den präventiven und lebensverlängernden Effekten von körperlicher Aktivität? Nicht unbedingt. Vielleicht sind RCT einfach nicht geeignet, um solche Einflüsse nachzuweisen: Sie dauern oft nur wenige Monate, die Interventionen sind häufig nicht intensiv genug und kommen bei chronisch kranken Alten vermutlich viel zu spät.
Mangelnde Adhärenz
Die Fallstricke solcher Studien erläutern die beiden Autoren an einigen Beispielen. So wurden körperlich inaktive und funktionell eingeschränkte Personen in der US-Multicenter-Studie LIFE auf ein Trainingsprogramm oder ein Informationsprogramm über gesundes Leben randomisiert, die Studie dauerte im Median zweieinhalb Jahre, die Teilnehmer in der Trainingsgruppe erhielten zweimal die Woche ein Training unter Anleitung und sollten weitere drei- bis viermal zuhause üben. Letztlich gab es keine signifikanten Unterschiede beim primären Endpunkt Tod und kardiovaskuläre Ereignisse.
Die Studienautoren führen dies zum einen auf die geringe Ereignisrate zurück, zudem war die Adhärenz mit 63 Prozent nur mäßig – viele sprangen also wieder ab oder trainierten zu Hause kaum, auch war die Dauer zu kurz und die Teilnehmerzahl zu gering, um eine belastbare Zahl von Ereignissen zusammenzubekommen.





