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Semaglutid: Der Preis für das Abnehmen

(29.3.2021) - Glukagon-Like-Peptide-1-(GLP-1-)Agonisten werden als „Game Changer“ in der Therapie von krankhaftem Übergewicht beworben. Ursprünglich zur Therapie des Typ-2-Diabetes entwickelt, verbessern sie nicht nur den HbA1c, sondern haben wegen des verstärkten Sättigungsgefühls und der verlangsamten Magenentleerung einen markanten Gewichtsverlust zur Folge. Der GLP-1-Agonist Liraglutid des Pharmakonzerns Novo Nordisk ließ die Pfunde in der SCALE-Studie so effektiv purzeln, dass er EU-weit bereits 2016 bei Nichtdiabetikern als Medikament zur Gewichtsabnahme zugelassen wurde. Nun liegen mit der STEP 1 Studie die Phase-3- Daten seines Nachfolgers Semaglutid vor, der im Gegensatz zu Liraglutid nur einmal pro Woche statt täglich gespritzt werden muss.

Signifikanter Gewichtsverlust

Und auch Semaglutid scheint zu überzeugen: Nach etwas mehr als einem Jahr hatten adipöse Nichtdiabetiker unter Semaglutid plus Lebensstilintervention rund 14,9 % Gewicht verloren (BMI: –5,5 kg/m2), während die Placebogruppe mit alleiniger Lebensstilintervention nur rund 2,4 % schaffte (BMI: –0,9 kg/m2). 32 % der Probanden der Semaglutid-Gruppe erzielten sogar einen Gewichtsverlust von über 20 %, im Vergleich zu lediglich 1,7 % in der Placebogruppe.

Verglichen mit Liraglutid schneidet der neue GLP-1-Agonist damit besser ab (–12,4 % versus –5,4 % Gewichtsverlust, jeweils im Vergleich zum Placebo). Auch andere Pharmakotherapien zur Gewichtsreduktion werden von Semaglutid in den Schatten gestellt. Nicht nur Körperfett allgemein hat den größten Teil des verlorenen Gewichts ausgemacht. Auch das metabolisch ungünstige viszerale Fett ging zurück – wenn auch nur leicht um circa 270 g im Vergleich zum Placebo. Dennoch war dieser Unterschied wohl schon ausreichend, um die Entzündungsaktivität – gemessen am Wert des C-reaktiven Proteins – unter Semaglutid zu reduzieren. Der GLP-1-Agonist verbesserte überdies weitere Parameter wie Blutdruck, Nüchternblutzucker, Lipidwerte und Lebensqualität. Der „ältere“ GLP-1-Agonist Liraglutid scheint auch dabei nicht an Semaglutid heranzukommen.

Die STEP-1-Studie ist gut designt und zeigt keine größeren Schwächen. Was jedoch auffällt, ist der minimale Gewichtsverlust unter Placebo. Hier wurde geargwöhnt, die Lebensstilintervention sei nicht wirklich erfolgreich gewesen – das ließe dann die Semaglutid-Gruppe besser aussehen. Aber die Daten der kürzlich publizierten STEP-3-Studie zeigen, dass Semaglutid auch bei einem viel intensiveren Diät- und Sportprogramm effektiver ist. Hier betrug der Gewichtsverlust –16 % unter Semaglutid versus –6 % in der Placebogruppe.

Vor dem Hintergrund der zu erwartenden hohen Therapiekosten im Falle einer Zulassung stellt sich die Frage, welcher Patient Semaglutid erhalten sollte und welcher nicht. Rund ein Viertel der Erwachsenen hierzulande ist adipös und würde prinzipiell für eine Therapie infrage kommen. „Im Idealfall sollte Semaglutid jeder Patient erhalten, wo wir ärztlicherseits einen Benefit vermuten“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Birkenfeld, Endokrinologe und Chefarzt der Klinik für Endokrinologie der Uniklinik Tübingen.

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