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Screening auf Typ-1-Diabetes würde rund 22 Euro pro Kind kosten

(München, 16.2.2022) – Ein Wissenschaftlerteam des Forschungszentrums Helmholtz Munich hat die Kosten für ein bevölkerungsweites Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern überschlagen. Eine Einführung des Scree­nings in die Regelversorgung würde das Gesundheitssystem in Deutschland danach voraussichtlich rund 22 Euro pro Kind kosten, berichtet die Arbeitsgruppe heute im Fachmagazin Diabetes Care (2022; DOI: 10.2337/dc21-1648).

Seit 2015 ist es in Bayern für Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren möglich, im Rahmen der Fr1da-Studie unter der Leitung von Helmholtz Munch ihr Blut auf Inselautoanti­körper untersuchen zu lassen. Diese Antikörper sind Anzeichen einer Entzündung und Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauspeicheldrüse.

In Zusammenarbeit mit 682 Kinderärzten und 16 pädiatrischen Diabetes-Kliniken in Bayern wurden in der Fr1da-Studie in den ersten vier Jahren 90.632 Kinder untersucht; bei 280 Kindern (0,31 Prozent) wurde ein Typ-1-Diabetes-Frühstadium diagnostiziert.

Häufig fällt ein Typ-1-Diabetes erst mit einer schweren bis lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung auf. Damit ist häufig eine intensivmedizinische Behandlung verbunden, ein längerer Krankenhausaufent­halt, eine schlechtere Blutzuckereinstellung mit erhöhtem Risiko für Folgeerkrankungen sowie sehr hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

„Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass entsprechende Tests in die medizinische Regelversorgung aufge­nommen werden“, erläuterte Peter Achenbach, einer der Studienleiter von Helmholtz Munich – denn ein Bluttest genüge, um die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes bei Kindern früh zu erkennen und schwe­re Stoffwechselentgleisungen zu verhindern.

Die aktuelle Kostenanalyse berücksichtigt die Beschaffung, Verarbeitung und Analyse der Blutproben sowie die Mitteilung der Ergebnisse. Ebenso enthalten sind die Ausgaben für Tests zur Einschätzung der Betazell-Funktion und des Blutzuckers sowie für eine Präventivschulung und Beratung für betroffene Kinder und deren Familien.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/