Schlucken statt Spritzen: Orale Insulin-Präparate für Diabetes-Patienten
(12.4.2021) - Diabetes gehört zu den großen Volkskrankheiten moderner westlicher Gesellschaften und gilt weltweit als die Todesursache Nummer 7. Das Spritzen von Insulin bedeutet für viele Patienten empfindliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität. Forschende aus Abu Dhabi haben jetzt Materialien für Insulinpräparate entwickelt, die geschluckt werden können. In den USA, Israel und Westeuropa laufen Studien mit einem weiteren Insulin-Medikament zum Schlucken.
Damit der Blutzuckerspiegel nicht gefährlich sinkt, müssen sich Diabetes-Patienten regelmäßig Insulin spritzen. Dieses überlebenswichtige Hormon ermöglicht, den Zucker als Ernährung in die Zellen zu schleusen. Normalerweise wird Insulin in der Bauspeicheldrüse gebildet, bei Diabetes ist dieser Mechanismus gestört. Patienten halten mit regelmäßigen Spritzen ihren Stoffwechsel am Laufen. Das betrifft alle an Diabetes Typ-1 erkrankten, die an einem absoluten Mangel des Hormons leiden. In Deutschland sind das laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft 341.000 (Stand 2020). Aber auch bei vielen Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, reichen irgendwann Tabletten nicht mehr aus. Rund 1,5 Millionen von ihnen müssen sich allein in Deutschland ebenfalls Insulin spritzen. Dafür könnte es vielleicht schon bald eine Alternative geben. Forschende der Trabolsi-Gruppe an der "New York University Abu Dhabi" (NYUAD) entwickelten Materialien für Insulinpräparate, die nicht mehr gespritzt, sondern einfach geschluckt werden können.
Nanoblätter mit Schichten aus Insulin
Dabei handelt es sich um organische Gerüst-Nanopartikel (nCOFs), die aus präparierten Schichten von Nanoblättern mit zwischengelagerten Insulin bestehen. Das Besondere: Die Partikel sind gegen die aggressive Magensäure resistent und in der Lage, die richtige Menge an Insulin auf der Grundlage des Blutzuckerspiegels des Diabetikers zu verabreichen. "Die Technologie ist ein Schritt in die Zukunft der oralen Insulinverabreichung bei Diabetes. Sie könnte das Wohlbefinden von Diabetikern auf einfache Weise verbessern", erklärten die Forschenden. Das orale System zur Insulinverabreichung könnte die traditionellen Injektionen ersetzen und somit die häufigen Nebenwirkungen ersparen. Die Ergebnisse unter der Leitung der Wissenschaftlerin Farah Benyettou und Programmleiter Ali Trabolsi wurden in der Fachzeitschrift "Chemical Science" veröffentlicht.
US-Patent ist angemeldet
Wie Tests der internationalen Gruppe mit Forschenden aus Algerien, Spanien, Saudi-Arabien und Großbritannien ergaben, kehrte der Zuckerspiegel bei den diabetischen Testpersonen innerhalb von zwei Stunden nach dem Verschlucken der Nanopartikel vollständig in den Normalbereich zurück. Den Angaben zufolge ist ein US-Patent für die Technologie beantragt. Bisherige Technologien zur mündlichen Aufnahme von Insulin hatten den Forschenden zufolge, den Nachteil, dass sie im Magen weniger stabil waren und deswegen nicht so genau nach Bedarf abgegeben werden konnten.





