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Sars-CoV-2 kann die Bauchspeicheldrüse schädigen

Das Virus könnte schuld daran sein, wenn sich bei schweren Covid-19-Fällen der Zuckerstoffwechsel verschlechtert

(Ulm, 15,3,2021) – Seit etwas mehr als einem Jahr hält das Coronavirus Sars-CoV-2 die Welt gefangen. Zu Beginn der Pandemie dachten alle, Sars-CoV-2 würde sein Zerstörungswerk ausschließlich in den Atemwegen und der Lunge ausführen. Ein Irrtum. Mittlerweile haben klinische Erfahrung und Forschung unser Verständnis des Virus und seiner potenziellen Angriffsziele im menschlichen Körper deutlich verändert.

"Das Virus ähnelt einem Heuschreckenschwarm, der das Lungengewebe zerstört und zum nächsten Feld weiterzieht", sagt Alexander Kleger, Heisenberg-Professor für Molekulare Onkologie und Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm.

Dazu gehören das Herz-Kreislauf-System und das Nervensystem genauso wie der Verdauungstrakt und der Stoffwechsel. Heute weiß man, dass Zellen in einigen Organen den Coronavirus-Rezeptor ACE2 und das Enzym TMPRSS2 auf ihrer Oberfläche tragen. Sind beide vorhanden, kann das Virus die jeweilige Zelle infizieren, um sein genetisches Material einzuschleusen und die Produktionsmaschinerie der Zelle komplett für die eigene Vermehrung zu nutzen, bis die Zelle zugrunde geht.

Bauchspeicheldrüse als Eintrittspforte für Sars-CoV-2

Früh fiel auf, dass bei schweren Covid-19-Verläufen häufiger Symptome auftreten, die auf einen Insulinmangel hindeuten – auch bei Nicht-Diabetikern. Bei Diabetikern kann sich in Folge einer Covid-19-Erkrankung der Zuckerstoffwechsel weiter verschlechtern. Das machte Kleger und seine Mitarbeiter hellhörig. Kann das Sars-CoV-2-Virus auch die Bauchspeicheldrüse infizieren, und falls ja, mit welchen Folgen?

Gemeinsam mit dem Ulmer Virologen Jan Münch vom Institut für Molekulare Virologie und seinem Team suchten sie nach einer Antwort. Herausgekommen sind Studienergebnisse, die belegen, dass Sars-CoV-2 insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen auch die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse infizieren kann. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin "Nature Metabolism" veröffentlicht.

Erste Untersuchungen der Forscher zeigten, dass auch die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse tatsächlich die für die Virusinfektion notwendige Eintrittspforte auf ihrer Oberfläche tragen. An noch "lebendem" Bauchspeicheldrüsengewebe konnten sie zeigen, dass das Coronavirus das Türschloss der Betazellen knacken und sich dort vermehren kann.

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