Radiomacher Mischa Kronenfels - Eine Stimme für die Süßen

Von Peter Illetschko
Eigentlich ist Mischa Kronenfels ein beneidenswerter Mann. Mit seinen 55 Jahren ist er Chefredakteur beim Privatradio Kronehit, lebt in einer glücklichen Beziehung und hat zwei Kinder. Die für Hörer des Radios vertraute freundliche Nachrichtenstimme hat eigentlich allen Grund, fröhlich zu klingen. Angesichts zweier Krankheiten, die Mischa Kronenfels’ Alltag beeinflussen, mag es vielleicht ein wenig verwunderlich wirken, dass sie das auch tut. Der Wiener leidet an Myastenie und an Diabetes Typ 1. Nein, er leidet eigentlich nicht daran. Er hat diese Krankheiten. „Ich lasse mir aber sicher nicht mein Leben davon diktieren.“
Begonnen hat alles mit Myastenie, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die zu einer belastungsunabhängigen Muskelschwäche führt. Als er erfuhr, dass es dieses Leiden ist, das ihn manchmal so unerklärbar erschöpft werden ließ, hörte er auch gleich eine üble Vorwarnung: Eine zweite Autoimmunerkrankung könne im Laufe der Jahre dazu kommen. Im Dezember 2006 war es dann soweit. Die ersten Monate mit seiner Lebensgefährtin Niki, eigentlich eine glückliche Zeit, waren durch heftigen Durst und durch den lästigen Drang, ständig auf die Toilette gehen zu müssen, begleitet. Freunde sagten ihm da schon: „Geh zum Arzt, das schaut so aus, als hättest Du Zucker.“
Und das war es dann auch. Zu Weihnachten lag er dann im Spital. „Da dachte ich mir schon sehr oft: Warum gerade ich? Warum muss ich das auch noch haben?“ Eine sehr depressive Zeit, die aber durch Beziehung, Familie, Freunde und Job nicht allzu lange dauerte. Das Privatradio Kronehit war seit 2001 auf Sendung, er von Anfang an dabei nach einigen Lehrjahren beim Privatradio Wörthersee: Diese berufliche Herausforderung ließ genauso wenig ein langes Durchhängen zu wie die Familie, die er und seine Freundin gerade gründeten.
Die Auslöser für beide Autoimmunerkrankungen kennt er bis heute nicht. Weil es die Ärzte auch nicht können, sie vermuten nur, dass ein Zeckenbiss und die darauf folgende Boreolose in früheren Jahren der Beginn waren. „Eigentlich ein unbefriedigender Zustand, dieses Nicht-Wissen“, sagt Kronenfels, „aber es würde andererseits nichts daran ändern, ich müsste dennoch damit leben.“
Leben heißt für Kronenfels heute, sich auch etwas gönnen. Nicht nur Laufen gehen oder Badminton spielen, sondern auch Nudeln, Pizza oder Eis essen – ab und zu erlaubt er sich schon eine höhere Kohlehydratzufuhr. „Dafür habe ich ja mein Insulin, dass ich so etwas auch essen kann.“ Lange genug hat er den gegenteiligen Weg versucht. Etwa ein halbes Jahr nahm Mischa Kronenfels gar keinen Zucker und keinerlei Kohlehydrate zu sich: Also nur Gemüse, eventuell Fleisch, Eier. Kein Brot, kein Obst. Und erreichte damit zweierlei: Er hatte einen wahrhaft traumhaften Langzeitwert Hba1c von 5,6, über den die Ärzte, nicht ahnend, wie er zustande kam, jubelten.
Und er hatte keine Kraft: Denn ohne Kohlehydrate fehlt auch weitgehend die für den Körper nötige Energiezufuhr. „Jetzt ist mir schon klar, dass das der falsche Weg war. Vielleicht war es eine Art Verweigerung. Ich wollte die Krankheit ignorieren.“
Heute ignoriert er sie keinesfalls, beschäftigt sich im Bereich Alternativmedizin auch mit Informationsverarbeitung und eventuellen Fehlschaltungen in seinem Körper, die schlechte Zuckerwerte auslösen können. „Ich werde dadurch natürlich nicht gesund, aber es hilft mir, damit besser umzugehen.“
Er hat auch kein Problem, zum Diabetes öffentlich zu stehen, möchte aber allerdings auch nicht jedem „aufs Aug drücken: Hallo, ich bin Zuckerkrank.“ Im privaten Umfeld und im Job versteckt er sich daher nicht beim Zuckermessen und Insulin spritzen.
In Lokalen oder bei Treffen mit ihm unbekannten Personen „leg ich nicht mein Werkzeug auf den Tisch, sondern zieh mich auf die Toilette zurück.“ Genervt hat die Zuckerkrankheit „natürlich manchmal“, aber Kronenfels „will es locker nehmen“. Und so kann es schon einmal vorkommen, dass er bei Kronehit, wenn ihm das Insulin ausgeht, den Moderator Meinrad Knapp, ebenfalls Typ1-Diabetiker fragt, ob er ihn nicht ein wenig aushelfen kann. Oder umgekehrt. „Das ist schon unser Running Gag hier“.
Foto: (c) Veronika Kub