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Neues Therapieprinzip könnte Cholesterinsenkung erleichtern

Wien (APA) - Knapp 36 Prozent der Todesfälle waren 2020 in Österreich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Ein Haupt-Risikofaktor sind zu hohe Blutfettwerte (Cholesterin). Doch selbst bei Behandlung erreichen bis zu 80 Prozent der Betroffenen nicht die Zielwerte für das "böse" LDL-Cholesterin (LDL-C). Ein neues Arzneimittel, die Bempedoinsäure, könnte in Kombination mit bekannten Substanzen helfen, hieß es vor einigen Tagen bei einer Online-Ärzte-Fortbildungsveranstaltung.

"Patienten, die wir in der Kardiologie (im Spital; Anm.) sehen, haben zumeist ein sehr hohes Risiko. Es ist unser Ziel, bei ihnen den LDL-C-Wert auf unter 55 Milligramm pro Deziliter (Blut) zu bringen", sagte der Wiener Herzspezialist Kurt Huber (Klinik Ottakring). Bei Herzpatienten, die innerhalb von zwei Jahren beispielsweise einen zweiten Herzinfarkt erleiden, sollte die Konzentration an "bösem" LDL-Cholesterin sogar weniger als 40 Milligramm pro Deziliter Blut betragen.

Doch die Mehrzahl der Betroffenen - 60 bis 80 Prozent - erreicht diese Werte bisher nicht. Zur Cholesterinsenkung eingesetzt werden vor allem die sogenannten Statine. Diese hemmen die Cholesterinsynthese, wodurch als Gegenreaktion des Körpers mehr Cholesterin aus dem Blut aufgenommen und abgebaut wird. Doch bei einem Teil der Behandelten lässt sich damit eben keine ausreichende Cholesterinreduktion erreichen. Die Statine gehören zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten.

Synthese reduzieren statt Wiederaufnahme hemmen

Als Kombinationstherapie werden beispielsweise Statine und der Wirkstoff Ezetimibe benutzt. Die zweite Substanz hemmt die Wiederaufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Die neue Bempedoinsäure reduziert hingegen, ebenso wie die Statine, die Cholesterinsynthese.

Dies erfolgt allerdings auf einem anderen Weg als bei den Statinen. Deshalb eignet sich die Substanz zur Kombination, z.B. Beispiel bei Patienten mit Statin-Intoleranz (zusammen mit Ezetimibe) oder eben mit einem Statin.

Groß angelegte klinische Studien haben den Effekt der Bempedoinsäure belegt: Bei trotz Statintherapie anhaltend zu hohen Blutfettwerten (LDL-C) senkte die Einnahme einer Tablette täglich mit einer Dosis von 180 Milligramm des Wirkstoffes die LDL-C-Konzentration zusätzlich noch um Werte zwischen 15 und 18 Prozent. Die Gesamtreduktion hängt jeweils von dem verwendeten Statin ab. Hoch aktive Statine bringen eine LDL-Cholesterinreduktion von um die 50 Prozent.

Bei Patienten, welche Statine nicht vertragen hatten, führte die Einnahme von Bempedoinsäure allein zu einer Verringerung des LDL-Spiegels im Blut um Werte von rund 20 Prozent. Kombinierte man die Bempedoinsäure mit Ezetimibe reduzierte sich der LDL-C-Wert um etwa 50 Prozent. Auch mit anderen Cholesterinsenkern, zum Beispiel sogenannten PCSK9-Hemmern (unter die Haut zu injizieren), lässt sich die Substanz kombinieren.

Interessanterweise verringert die Bempedoinsäure auch Markerwerte für Entzündungen (C-reaktives Protein im Blut; CRP). Das hat sie mit den Statinen gemeinsam. Eine entzündungshemmende Wirkung wird für einen Teil der Effekte dieser Substanzen in der Prävention von Herzinfarkten als Folge von Atherosklerose verantwortlich gemacht.

Die Substanz könnte sich auch dazu eigenen, bei Patienten nach einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt sehr schnell eine starke Verringerung des Cholesterinspiegels herbeizuführen. Huber: "Das Risiko für eine thrombo-ischämische Komplikation (neuerlicher Infarkt oder Schlaganfall; Anm.) nach einem ersten Myokardinfarkt ist im ersten Monat am höchsten und bis zu drei Monate erhöht."

Patienten mit erhöhten Harnsäurespiegeln bzw. gar Gicht sollten die Bempedoinsäure aber nicht einnahmen, weil sie als Nebenwirkung zu einer zusätzlichen Zunahme der Harnsäure im Blut führen kann. Das verursacht dann erst recht Gichtanfälle.

APA0000    2021-12-09/09:22