Neue Studie: Warum hoher Blutdruck nicht immer schlecht ist
(Ulm, 8.2.2022) – Was die „richtigen“ Blutdruckwerte sind, diese Einschätzung hat sich in den letzten Jahrzehnten mehrfach geändert, meist wurden die Grenzwerte stetig nach unten korrigiert. Undenkbar scheint aus heutiger Sicht die früher geltende Regel, dass beim oberen Wert 100 plus Lebensalter in Ordnung sei. Laut den Empfehlungen internationaler Fachgesellschaften gelten 120 zu 80 als ideal, liegen die Werte regelmäßig bei 140 zu 90 oder darüber, sollte demnach therapeutisch eingegriffen werden. Allerdings mehrten sich in den vergangenen Jahren auch die Stimmen von Fachleuten, die insbesondere bei älteren Menschen solche niedrigen Zielwerte kritisch sehen.
Das Forscherteam der Uni Ulm hat die Auswirkungen des Bluthochdrucks auf die Gesundheit älterer Patienten untersucht. Dabei griff das Team auf Daten einer früheren Ulmer Studie zurück, in der die körperliche Aktivität bei Personen über 65 Jahren erfasst wurde. Die Daten beziehen sich auf rund 1100 Teilnehmer, von diesen waren etwa 40 Prozent weiblich, das Durchschnittsalter betrug 74 Jahre. Das Ergebnis: Bei diesen älteren Patienten, die gebrechlich und wenig belastbar sind, kann ein hoher Blutdruck das Sterberisiko senken.
Der mögliche Grund: Die oft bei Bluthochdruck verabreichten Medikamente erhöhen das Risiko für Schwindel oder Ohnmacht und damit für einen Sturz der Patienten deutlich. Weitere Nebenwirkungen von blutdrucksenkenden Mitteln sind Reizhusten, Allergien und Verdauungsprobleme.
Die Forscher fordern deshalb ein Umdenken bei der künftigen Behandlung von gebrechlichen Patienten mit Bluthochdruck. Gerade bei ihnen sank in Modellrechnungen das Sterberisiko mit der Zunahme des Blutdrucks. Demnach sei es manchmal besser, bei älteren Patienten auf Blutdrucksenker zu verzichten.





