Moderne Antidiabetika können mehr als nur den Blutzucker zu senken
In der Therapie bei Typ-2-Diabetes rücken GLP-1-Agonisten und SGLT2-Hemmer immer stärker in den Fokus. Die neuen Substanzen senken nicht nur den Blutzuckerspiegel – sondern haben weitere positive Effekte, betonen Endokrinologen.
Stuttgart. Die Einführung von Natrium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT2)-Inhibitoren und Glucagon-like-Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptoragonisten hat zu einem Paradigmenwechsel in der Diabetologie geführt.
Mehrere der modernen Antidiabetika wirken sich nämlich bei Typ-2-Diabetikern auch günstig auf andere Aspekte des metabolischen Syndroms, wie Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen aus. Dadurch senken sie nachweislich die Krankheitslast und Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Folgeerkrankungen.
Professor Jochen Seufert, Leiter Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, spricht von einem „multifaktoriellen Ansatz“. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des 65. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, dessen Präsident er 2022 ist, sagte er: „Wir behandeln nicht mehr nur Surrogatparameter, wie zum Beispiel HbA1c oder Blutzucker oder Körpergewicht allein.“ Stattdessen würden alle Begleiterkrankungen des metabolischen Syndroms gleichermaßen zielwertorientiert angegangen.
Multifaktorielle Wirkung
Für die in Deutschland verfügbaren oral einzunehmenden SGLT2-Inhibitoren – Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin – wurde in kardiovaskulären Endpunktstudien die Sicherheit belegt. Darüber hinaus können sie zum Teil auch Herz und Nieren schützen, in Studien wurden Herzinfarktraten sowie Sterberaten gesenkt.
Das gilt besonders für den SGLT2-Hemmer Empagliflozin sowie eingeschränkt für Dapagliflozin (belegter Nutzen bei Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung). Für Ertugliflozin wurde ein Nutzen bei Herzinsuffizienz belegt. Ebenfalls einen Herz- und Nierenschutz bieten die zu injizierenden GLP-1-Agonisten Liraglutid, Semaglutid und Dulaglutid.
„Der Einsatz dieser Medikamente ist in den Algorithmen der Leitlinien und nationalen und internationalen Empfehlungen nach vorne gerückt“, betonte Seufert. So ist nach der neuen Nationalen Versorgungsleitlinie bei jedem Patienten auch das Risiko für diabetesassoziierte kardiovaskuläre und renale Endpunkte zu eruieren.
GLP-1-Rezeptoragonisten: Blutzuckersenkender Effekte ähnlich wie Insulin
Typ-2-Diabetiker mit bestehender klinisch relevanter Atherosklerose sollen (bei HbA1c über 7 Prozent) bereits primär (!) mit einer Kombination aus Metformin und entweder einem GLP-1-Agonisten oder einem SGLT2-Hemmer behandelt werden. Dafür sind Präparate auszuwählen, deren Effekte auf die Endpunkte belegt sind. Bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten kann dieser Behandlungsweg ebenfalls verfolgt werden.
Der blutzuckersenkende Effekt von GLP-1-Rezeptoragonisten ist laut Seufert durchaus mit dem von Insulin zu vergleichen. Gleichzeitig sind Hypoglykämien bei beiden Gruppen kein Problem.





