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Mit dem HbA1c steigt das Herzinfarkt-Risiko

Diabetes wirkt sich bei Frauen stärker auf das Infarktrisiko aus als bei Männern. Bei beiden Geschlechtern steigt aber das relative Risiko mit steigendem HbA1c in gleicher Weise.

(Utrecht, 10. September 2020) - Diabetes gilt bereits als ein Herzinfarkt-Risikofaktor, der Frauen größerer Gefahr aussetzt als Männer. Insgesamt sind Männer im Vergleich aber häufiger von Infarkten betroffen. Wie sich das Infarktrisiko beider Geschlechter entlang der HbA1c-Werte von Normoglykämie über Prädiabetes bis zu manifestem Diabetes ausprägt, hat ein Team um Dr. Marit de Jong von der Universität Utrecht untersucht (Diabetes Care 2020; 43: 2050).

Die Forscher haben prospektiv gesammelte Daten aus der UK Biobank analysiert, und zwar von über 470.000 Menschen, für die initial noch keine KHK-Diagnose verzeichnet war (56 Prozent Frauen). Abhängig von Diabetesstatus und HbA1c berechneten sie nach Geschlechtern getrennt die Inzidenzen von Herzinfarkten.

Übergewicht steigert Risiko bei Frauen besonders stark

Pro 100.000 Personen erlitten danach jährlich 87 Frauen und 254 Männer mit Normoglykämie einen Herzinfarkt. Für Prädiabetes lagen die Zahlen bei 109 und 297, für bis dato nicht diagnostizierten Diabetes bei 143 und 389 sowie für bekannten Diabetes bei 204 und 461.

Die Infarktzahlen stiegen jedoch in beiden Geschlechtern in gleicher Weise mit den HbA1c-Werten: Je Zunahme um einen Prozentpunkt erhöhte sich das Infarktrisiko relativ um 18 Prozent, unabhängig vom Diabetesstatus. Alle Berechnungen waren nach Einflussfaktoren wie Alter, Raucherstatus, BMI und Blutdruckwerten adjustiert.

Ein Prädiabetes wirkte sich auf das Infarktrisiko von Frauen nachteiliger aus als bei Männern. Der Zusammenhang verschwand allerdings nach geschlechtsspezifischer Adjustierung – also nach Berücksichtigung des Umstandes, dass sich die Einflussgrößen bei Frauen und Männern unterschiedlich auswirken können. Beispielsweise steigert ein höherer BMI das Diabetesrisiko und insofern auch das Infarktrisiko von Frauen stärker als jenes von Männern.

Und generell scheint es so zu sein, dass der Kardiometabolismus von Frauen über eine längere Spanne aus den Fugen geraten muss als bei Männern, bis sich ein Diabetes einstellt – wodurch sie bis dahin aber auch länger kardiovaskulären Risiken ausgesetzt sind.

Auch Diabetes ist für Frauen gefährlicher

Diabetes blieb auch nach geschlechtsspezifischem Abgleich der Daten für Frauenherzen gefährlicher: Das Infarktrisiko von Frauen mit Diabetes war 2,3-mal so hoch wie jenes von Frauen ohne Diabetes. Bei den Männern stieg das Risiko durch Diabetes um das 1,8-fache. Damit fiel ein bestehender Diabetes für das Herzinfarktrisiko bei Frauen um 29 Prozent stärker ins Gewicht als bei Männern.

„Obwohl die Inzidenz von Herzinfarkten bei Männern höher lag als bei Frauen, war ein manifester Diabetes bei Frauen mit einem höheren relativen Risikoüberschuss für Infarkte assoziiert“, so das Fazit der Forscher.

Unabhängig vom Diabetesstatus sei jedoch bei beiden Geschlechtern das Infarktrisiko um 18 Prozent gestiegen, wenn der HbA1c-Wert um einen Prozentpunkt zugenommen habe.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/