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Menschen mit Diabetes wollen Telemedizin

Diabetespraxen und -ambulanzen sollten dauerhaft in die Telemedizin investieren: Denn Patienten wünschen sich solche Angebote auch nach der Corona-Pandemie, wie aus einer Befragung hervorgeht.

(Neu-Isenburg, 9.6.2022) - Eine Befragung von etwa 4000 Diabetes-Patienten aus vier europäischen Ländern während der Coronapandemie hat ergeben, dass in den Niederlanden und Frankreich um die 30 Prozent der Befragten telemedizinische Arzttermine wahrgenommen haben, in UK war es mehr als jeder zweite, in Deutschland waren es 17 Prozent.

61 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Problem beim Telemedizin-Termin gelöst werden konnte. Als wesentliche Vorteile werden angesehen: Beratung ohne Zeitverlust durch Anreise oder Wartezeit in der Praxis sowie Schutz vor Ansteckung.

In einer Forsa-Umfrage der BKK Mobil Oil wünschten sich 64 Prozent von befragten Telemedizin-Nutzern eine Fortführung des Angebots auch nach der Pandemie. Dies erfordere allerdings neue Arbeitsroutinen, erklärt Dr. Hansjörg Mühlen vom Diabetologikum Duisburg im Diabetes-und-Technologie-Report (D.U.T.) 2022.

Bislang hätten sich in Deutschland nur wenige Praxen und Klinikambulanzen in der Sprechstundenplanung auf Video-Sprechstunden eingestellt.

Schlechte Internetanbindung ist kein Argument dagegen

Der Diabetologe kann die teils emotional geführte Kontroverse zu Video-Schulungen nicht nachvollziehen. Schlechte Internetanbindung sei kein Argument gegen Videosprechstunden oder -schulung, sondern zeige die Notwendigkeit eines raschen Breitbandausbaus.

Das Forschungsinstitut Diabetes-Akademie Mergentheim (FIDAM) sehe kein Problem für die telemedizinische Schulung, so Mühlen. Es gehe nicht um den vollständigen Ersatz von Präsenzschulungen. Vielmehr sei es wichtig, die richtige Schulungsform für die individuellen Bedürfnisse zu wählen.

Auch müssen Video-Konferenzsysteme genutzt werden, die dem Datenschutz entsprechen. KBV-zertifizierte Programme, die zunächst nur Peer-to-Peer-Verbindungen zuließen, ermöglichen inzwischen auch Video-Konferenzen, wenngleich noch nicht mit dem Funktionsumfang und der Videoqualität wie professionelle Konferenzsysteme.

Video-Schulung als Form der Barrierefreiheit

Für seh- oder hörbehinderte Menschen machen große Bildschirme und Kopfhörer erst Schulungen per Video möglich. Mühlen: „Somit stellt die Video-Schulung keine Ausgrenzung, sondern eine Form der Barrierefreiheit und der Integration dar.“

Sein Fazit: Praxen und Ambulanzen müssen die telemedizinische Betreuung integrieren. Eine echte telemedizinische Infrastruktur werde aber erst durch Web-basiert zugängliche Patientendaten möglich.

Was Telemedizin in der Diabetologie leisten kann

  • die Glukose-Stoffwechsellage lässt sich von Behandler und Patient gemeinsam beurteilen;
  • bestimmte Personengruppen sind besser erreichbar als mit Präsenz-Sprechstunden: etwa alte und immobile, körperlich behinderte oder auch entfernt wohnende Menschen;
  • Sekundär- und Tertiärprävention, etwa durch kontinuierliche Gesundheitsüberwachung;
  • Video-Schulung und Coaching.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/