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Mein Partner fürs Leben

Plötzlich war er da. Im Wonnemonat Mai des Jahres 1998 kam er kam auf mich zu – wortlos – unerwartet – und berührte mein Innerstes zu tiefst. Ich konnte ihn nicht abwehren, ob ich wollte oder nicht. Er war ganz einfach da! Er kam, sah und siegte. Obwohl er mir gar nicht sympathisch und mehr als lästig war, konnte ich ihn bis heute nicht abwimmeln. Wir sind seit damals in einer festen Beziehung, ja besser gesagt, wir sind zu einer Symbiose zusammengewachsen. Rund um die Uhr, Tag und Nacht.

Nach wie vor kann uns nichts trennen.  ER blieb bis zum heutigen Tage an meiner Seite. Er mutierte zu meinem SÜSSEN. In diesen zwei Jahrzehnten, die wir seither verbringen, gab und gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Wie das eben in Zweierbeziehungen nun mal so ist.  ER ist nämlich sehr wankelmütig. Mal hat er ein Hoch, da muss ich ihn wieder herunterholen und beruhigen. Dann verfällt er wieder in ein Tief, wo ich ihm wieder auf die Sprünge helfen muss. Und wer ist schuld? Ja, genau: Ich. Wer denn sonst. Sch.....! Das macht mich oft ziemlich wütend.

Aber was soll ich denn sonst tun, wenn es ihm nicht gut geht? Immer wieder setze ich wieder alles daran, dass es ihm – und damit auch mir – wieder gut geht   Ja, ich habe sogar schriftliche Anweisungen was ich wann, wie und warum, dies oder jenes machen muss. Ich bin seine Untertanin, beuge mich ihm immer wieder. Man könnte sagen, ich bin ihm hörig. Von echter Liebe zwischen uns kann wohl keine Rede sein. Aber was soll`s. Ich krieg ihn sowieso nicht mehr an. Keiner will ihn.  Ich bin seine Auserwählte. Na Super! 

Trotz allem:  Jedes Ding hat zwei Seiten. Die Beziehung mit ihm hat mir auch viel Gutes gebracht. Ich lernte mehr auf meine Gesundheit zu achten. Das begann mit dem Versuch weniger zu naschen und gesünder zu kochen. Ersteres fällt mir immer noch sehr schwer.  Ich bin nun mal ein Süßfrosch.

Auch zu mehr aktiven Sport hat er hat mich motiviert. Bis vor etwa 10 Jahren waren wir noch Schifahren.  Das lassen wir nun bleiben. Stattdessen unternehmen wir lange Spaziergänge und Wanderungen. Das tut uns jetzt besser.  Viel Spaß macht uns nun das wöchentliche Tischtennis.  Doch sobald wir uns zu intensiv dem Sport widmen, wird ER müde und schlapp.  Und wer ist da wieder schuld?  Na klar – ich natürlich – wer denn sonst! Da quält er mich dann so lange, bis ich ihm wieder mit einem stärkenden Getränk auf die Sprünge helfe.                                                                                                          

Das zerrt schon manchmal an meinen Nerven. Das Selbstmitleid übermannt mich dann und fragt: Warum gerade ich – was habe ich verbrochen? Über unsere gemeinsamen Höhen und Tiefen führe ich – nicht ganz freiwillig -ein Tagebuch. Wie mir das oft verhasst ist. Aber unser Therapeut, den wir regelmäßig besuchen, besteht nun mal darauf. Er sieht sich jedes Mal meine Aufzeichnungen ganz genau an und mit seinen darauffolgenden Ratschlägen will er uns helfen die Zweisamkeit besser meistern zu können. Denn, geht es ihm gut, dann geht es mir auch gut. Mein Süsser bestand auch darauf, dass ich Mitmenschen von unserer Lebensgemeinschaft berichte. Diese Idee gefiel mir sehr gut.  Das führte dann soweit, dass wir gemeinsam 15 Jahre lang Tratschrunden geleitet haben. Durch die vielen Gespräche wurde mir bewusst, dass es Anderen, die in einer ähnlichen Beziehung wie ich leben, auch nicht anders ergeht. Das gab mir Trost und Mut zugleich. Wenn diese Art von Beziehung auch nie mein Wunsch war, aber durch die Gesprächsrunden begann ich diese voll und ganz zu akzeptieren.     

Warum ich mir das antue wird sich so mancher fragen. Etwa um nicht alleine zu sein? Nein! Das Schicksal hat uns zusammengeführt und wir werden für immer zusammenbleiben. Nichts kann uns mehr trennen! Bis zum letzten Schnaufer werden wir gemeinsam durch Dick und Dünn gehen und gemeinsam auch den Schritt in die andere Welt gehen.

Da werden sich so manche fragen, wieso ich mir da so sicher sein kann. Ein so treuer und verlässlicher Partner kann doch nicht von dieser Welt sein! Ist er auch nicht.                                                                                                                  

Denn er nennt sich mit dem Familiennamen Autoimmunerkrankung. Mit dem Vornamen Diabetes I, Typ Lada. Von  mir  erhielt er den Kosenamen SWEETI.

IDORA