Insulinallergie: Vier klinische Kriterien helfen bei der Abklärung
(Paris, 3.6.2022) - Insulinallergien sind selten, die Prävalenz wird auf 0,1–3 Prozent geschätzt. Meistens äußern sie sich in Hautreaktionen, seltener in systemischen Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie. Das auslösende Allergen ist überwiegend das Insulin selbst, aber auch Zusatzstoffe oder Nickel in der Nadel können beteiligt sein. Wie beim Verdacht auf eine Insulinallergie vorzugehen ist, dazu gibt es bislang keine einheitlichen Vorgaben. Ein Team von Ärztinnen und Ärzten aus Paris und München schlägt nun vor, zunächst vier klinische Variablen zu erheben (Diabetologia 2022; online 4. Mai). Mit ihnen kann die Wahrscheinlichkeit einer Insulinallergie eingegrenzt und einem Teil der Patienten die Untersuchung beim Allergologen erspart werden.
Diese Kriterien sind:
- Wiederkehrende lokale oder systemische Reaktionen, die sofort nach der Injektion (Typ-I-Allergie: Urtikaria; Larynxödem) oder verzögert auftreten (Typ-IV-Reaktion: subkutane, nicht juckende Knoten).
- Jede Insulingabe ruft diese Reaktionen hervor.
- Die Reaktionen sind um die Injektionsstelle zentriert.
- Das wichtigste Kriterium: Die Reaktion lässt sich bei einer Insulinprovokation unter ärztlicher Aufsicht feststellen.
Treffen alle Kriterien zu, ist eine Insulinallergie wahrscheinlich, ist zumindest ein Teil erfüllt, ist sie immerhin möglich. Nur wenn gar kein Kriterium erfüllt wird, gilt die Diagnose als unwahrscheinlich. Diese Einteilung hat das Studienteam um Agnès Sola-Gazagnes von der Université Paris Cité in einer retrospektiven Kohorte validiert. Die 52 Patienten hatten sich wegen des Verdachts auf eine Insulinallergie in der Diabetesklinik der Universität vorgestellt.
Gemäß den genannten Kriterien wurde die Verdachtsdiagnose bei 26 als wahrscheinlich, bei 9 als möglich und bei 17 als unwahrscheinlich beurteilt. Die Intrakutantestung bestätigte den Verdacht in den drei Gruppen bei 92 Prozent, 33 Prozent und 0 Prozent; wurden die beiden ersten Gruppen zusammengenommen, war der Test bei 77 Prozent positiv. Das Studienteam empfiehlt daher, „nur Patienten, bei denen eine Insulinallergie klinisch als wahrscheinlich oder möglich eingeschätzt wird, einem bestätigenden Hauttest zu unterziehen“.
Methode der Wahl zur Diagnosesicherung: Intrakutantests
Intrakutantests sind die Methode der Wahl zur Diagnosesicherung, so die Autoren. In einer Fall-Kontroll-Studie hatten sie die höchste Sensitivität: Sie detektierten eine Insulinallergie mit einer Sensitivität von 80 Prozent und einer Spezifität von 100 Prozent. Prick-Tests und ein klinikeigener IgE-Test waren zwar genauso spezifisch, erreichten aber nur eine Sensitivität von 10 beziehungsweise 50 Prozent. An der Studie waren zehn Patienten mit Insulinallergie, 24 Insulinpatienten ohne Allergie und 21 Insulin-naive Diabetespatienten beteiligt.
Im Fall einer gesicherten Insulinallergie schlagen die Ärztinnen und Ärzte folgendes stufenweise Vorgehen vor:
- Prüfen, ob das Insulin durch ein orales Antidiabetikum oder einen GLP1-Agonisten ersetzt werden kann.
- Eine andere Insulinformulierung ausprobieren.
- Bei Sofort-Typ-Allergien die Gabe eines Antihistaminikums in Betracht ziehen.
- Wechsel auf eine Insulinpumpentherapie.
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





