Hyperinsulinämie und der Krebsverdacht
Typ-2-Diabetes und Adipositas fördern offenbar über Hyperinsulinämie die Krebsentwicklung – und zwar besonders das kolorektale Karzinom. Ärzte sollten daher besonders auf die Darmkrebsvorsorge achten, schreibt Diabetologe Professor Stephan Martin in der Ärzte Zeitung.
(6.4.2022) - Adipositas und Typ-2-Diabetes sind mit einem erhöhten Risiko für unterschiedliche Krebserkrankungen assoziiert. Das gilt zum Beispiel außer für das Mamma- und das Pankreas-Karzinom insbesondere auch für das kolorektale Karzinom. Über die Zusammenhänge und die pathophysiologischen Ursachen wird unter Onkologen und Diabetologen viel diskutiert.
Menschen mit Adipositas oder mit Typ-2-Diabetes ist gemeinsam, dass bei ihnen die Insulinspiegel wegen ihrer Insulinresistenz deutlich erhöht sind. Diese Hyperinsulinämie könnte die wesentliche pathophysiologische Ursache für die gehäufte Entwicklung von Tumoren sein.
Professorin Emily Gallagher von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York hat dazu schon vor anderthalb Jahren Befunde aus molekularen Untersuchungen vorgestellt (Nature Reviews Cancer 2020; 20: 629).
Demnach binden Insulin und Insulin-like Growth Faktor-1 (IGF-1) an verschiedene Varianten ihrer Rezeptoren, die auch auf Tumorzellen nachweisbar sind und dort mitogene Wirkungen vermitteln können. In verschiedenen Mausmodellen mit genetisch modifizierter Insulinproduktion konnte der Einfluss einer Hyperinsulinämie auf die Tumorprogression nachgewiesen werden.
Hochsignifikante Assoziation
In zwei aktuellen Studien wird die Hyperinsulin-Hypothese als Tumorursache beim Menschen jetzt sehr eindrucksvoll gestützt. Im Rahmen der Da-Qing-Studie, bei der 1700 Probanden mit unterschiedlichem glykämischen Status seit 1985 nachbeobachtet wurden, trat bei 15,2 Prozent der Teilnehmer eine Krebserkrankung auf (British Journal of Cancer 2022; online 7. März).
Im Vergleich zu Probanden mit einer normalen Glukosetoleranz hatten Teilnehmer mit einer gestörten Glukosetoleranz ein 1,77-fach und solche mit einem Typ-2-Diabetes ein 3,34-fach erhöhtes Krebsrisiko. Beide Ergebnisse waren hochsignifikant (p<0,0001). Bei Teilnehmern mit pathologischer Glukosetoleranz war zum einen die Progression zu einem manifesten Typ-2-Diabetes mit einem 2,28-fachen (p = 0,008), zum anderen die Hyperinsulinämie mit einem 1,39-fachen (p = 0,02) Krebsrisiko verbunden.





