Forscher tüfteln am Ausgleich des Insulinmangels
Aus Stammzellen hergestellte Inselzellen verpflanzen oder die Xenotransplantation von Schweine-Inselzellen: Forscher loten neue Optionen bei Diabetes aus.
(Dresden, 4.11.2021) - Wissenschaftler sagen für die kommenden Jahre eine deutliche Erweiterung des Therapiespektrums bei Diabetes voraus. Bereits im nächsten Jahrzehnt könnte die Kombination medikamentöser, biotechnologischer und zellbasierter Methoden „die Therapie revolutionieren“, meint Professorin Barbara Ludwig, die am Universitätsklinikum Dresden sowie dem dortigen Paul Langerhans Institut tätig ist.
„Die Betazell-Ersatztherapie stellt die ultimative Therapie-Option für Patienten mit einem Insulinmangeldiabetes dar“, schreibt Ludwig im Gesundheitsbericht Diabetes 2021.
Gemeint sind damit Konzepte, die die sekretorischen wie auch die regulatorischen Fähigkeiten nativer Betazellen nutzen. Bislang kommen dafür nur Pankreas- und die Inselzelltransplantationen infrage. Nachteil: Sie erfordern die dauerhafte systemische Immunsuppression.
Immerhin liegt die Fünfjahres-Überlebensrate eines Pankreas nach simultaner Pankreas-Nieren-Transplantation bei 83 Prozent, die Patienten können einen über mehr als zehn Jahre anhaltenden Schutz vor schweren Hypoglykämien sowie eine normale Stoffwechselkontrolle erwarten. Bei unter 50-jährigen Patienten mit häufigen und schweren metabolischen Komplikationen wird auch die alleinige Pankreastransplantation praktiziert.
Erfolgreiche Tierversuche
Demgegenüber ist die Inseltransplantation ein minimalinvasives Verfahren, das auch bei kardiovaskulärer Vorerkrankung und bei älteren Patienten praktikabel ist. In etwa der Hälfte dieser Patienten könne über fünf Jahre die Insulinunabhängigkeit erzielt werden, berichtet die Dresdner Diabetesforscherin. Simultane Nieren-Insel-Transplantationen sind die entsprechende Alternative zur Pankreas-Nieren-Transplantation.
Vor allem wegen des Spenderorganmangels sollen alternative Zellquellen erschlossen werden. So sei die Herstellung insulinproduzierender Zellen aus embryonalen oder induzierbaren pluripotenten Stammzellen „sehr vielversprechend“, berichtet Ludwig mit Verweis auf erfolgreiche Tierversuche.
Auch an Verkapselungstechnologien wird geforscht
Allerdings: Die Sicherheitsaspekte, gerade in Bezug auf eine potenzielle Tumorentwicklung, müssten noch bearbeitet werden. Genutzt werden könnten auch Zelltransplantate von genetisch modifizierten Schweinen, sodass Abstoßungsreaktionen im menschlichen Organismus unterbunden werden. Seit Jahren arbeiten Wissenschaftler zudem an Verkapselungstechnologien, um Zelltransplantate mit einer selektiven Barriere immunologisch abzuschirmen, zugleich aber die Diffusion von Sauerstoff, Nährstoffen und Insulin zu gewährleisten.
Ludwig schreibt dazu: „Ein eigenes Konzept zur Insel-Makroverkapselung befindet sich derzeit in der Beantragungsphase für eine erste klinische Pilotstudie zur Insel-Xenotransplantation.“ Ziel sei es, die Sicherheit und Wirksamkeit verkapselter Inseltransplantate bei erhaltener Glukoseresponsivität, aber ohne notwendige Immunsuppression beim Menschen zu prüfen.
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





