Fettleibigkeit: Adipöse Menschen schätzen sich 23 Kilo dünner ein
Menschen mit Übergewicht schätzen sich viel dünner ein, als sie wirklich sind. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern und Forscherinnen aus Schweden. Sie haben untersucht, wie sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers auf die Regulierung des Gewichts auswirken kann.
Wahrnehmung ist bekanntlich eine Frage der Perspektive, Selbst- und Fremdbild stimmen oft nicht überein. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers gehorcht dabei besonderen Gesetzen. Dies zeigt sich besonders stark bei Über- und Untergewicht. Magersüchtige Menschen nehmen sich vor dem Spiegel als Normalgewichtige wahr, sie erkennen nicht, wie ausgemergelt sie sind, dass die Knochen hervorstehen und ihr Gesicht einfällt. Die verzerrte Körperwahrnehmung bei Magersucht stellt die Wissenschaftler weltweit noch immer vor große Rätsel.
Doch auch extrem übergewichtige Menschen, fettleibige Menschen scheinen an einer verzerrten Körperwahrnehmung zu leiden. Sie nehmen sich umgekehrt viel dünner wahr als sie wirklich sind. Diese verzerrte Wahrnehmung kann dazu führen, dass adipöse Menschen weniger motiviert sind, abzunehmen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie aus Schweden, die gerade auf dem Internationalen Kongress über Adipositas (ECOICO 2020) vorgestellt wurde.
Über 2.000 adipöse Menschen über zehn Jahre befragt
Die Forscher und Forscherinnen haben über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 2.000 adipöse Personen befragt. "Menschen mit Adipositas leiden oft unter einer Körperbildverzerrung, da sie dazu neigen, ihre eigene Körperfülle zu unterschätzen", erklärt Autorin Verena Parzer vom Krankenhaus Rudolfstiftung Wien. "Dies führt dazu, dass die Menschen weniger unzufrieden mit dem eigenen Körper sind und infolgedessen auch weniger Motivation haben abzunehmen."
Befragte bestimmten ihre Körperform auf einer Silhouetten-Skala
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verglichen die Aussagen der Probanden, ob ein Unterschied in der Körperbildwahrnehmung besteht, zwischen "Gewichtsgewinnern" und "Gewichtserhaltern". Dabei wurden die Teilnehmer jedes Jahr gebeten, ihre eigene Körperfigur mit Hilfe von neun Silhouettenzeichnungen auf einer bestehenden Stunkard-Skala zu bestimmen. Anschließend berechneten die Wissenschaftler den Körperwahrnehmungsindex (BPI). Dabei teilten sie den geschätzten Body-Mass-Index (BMI) durch den tatsächlichen BMI. Von den Befragten waren knapp drei Viertel Frauen im Durchschnittsalter von 49 Jahren. Niemand unter den Studienteilnehmern war mit einer OP der Magen verkleinert worden.
Teilnehmer schätzen sich 21 Kilogramm dünner ein
Die Ergebnisse zeigten, dass sich alle Befragten viel dünner und schlanker wahrnahmen, als sie es eigentlich waren. Diejenigen Teilnehmer, die im Befragungszeitraum noch zugenommen hatten, unterschützen ihr Gewicht besonders signifikant. Schon nach drei Jahren schätzten sie ihre tatsächliche Körperfülle um etwa 21 Kilogramm geringer ein. Das entspricht etwa 7,5 BMI-Einheiten. Die Teilnehmer, die Gewicht verloren hatten, verschätzten sich weniger stark, nahmen sich jedoch trotzdem noch um etwa 17 Kilogramm (6 BMI-Punkte) dünner wahr.





