Fett am Bauch, Zucker im Blut - So jung und schon Typ-2 Diabetes?
Seit Mitte der 90er Jahre nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einem Diabetes Typ 2 dramatisch zu. Eltern sind entsetzt, wenn sie hören, dass ihr Kind sogenannten Altersdiabetes hat und Kinderärzte schlagen Alarm, denn diese Kinder und Jugendlichen sind oft adipös und haben bereits mit Folgeerkrankungen des Übergewichts und des Diabetes zu kämpfen. Womit lässt sich diese alarmierende Entwicklung erklären?
Ursachen für einen Diabetes Typ 2 bei Kindern
Zuckerreiche Lebensmittel und Fertigprodukte haben einen großen Anteil auf dem Markt eingenommen. Überall ist zu jeder Tageszeit energiereiches Essen erhältlich, für relativ wenig Geld. Kinder und Jugendliche können sich so außerhalb des Zuhauses unkontrolliert mit Süßem, Fettigem und Salzigem versorgen. Das Taschengeld reicht für das tägliche Naschen allemal.
Die Freizeitgestaltungen: Handyspiel, Chatten, Spielkonsolen, Fernsehserien und Co verleiten die Kinder und Jugendlichen zusätzlich zum Sitzen. Kinder und Jugendliche haben oft einen langen Schultag und "arbeiten", zusammen mit der Hausaufgabenzeit, oft länger als Erwachsene. Ohne sportliche Aktivitäten und ohne kontrollierte und gesunde Mahlzeiten können die Kinder und Jugendlichen an Gewicht deutlich zunehmen, gar adipös werden.
Die vorgeburtliche Prägung auf den Nachwuchs kann das Erkrankungsrisiko für Diabetes erhöhen. Bei einem Schwangerschaftsdiabetes, infolge dessen das Neugeborene übergewichtig zur Welt kam, steigt das Risiko für Übergewicht und Diabetes für das Kind deutlich.
Jugendlicher Diabetes Typ 2 in der Familie
Übergewichtige oder adipöse Kinder und Jugendliche können ihr Diabetes Typ 2 Risiko für das spätere Alter normalisieren, wenn sie bis zu einem Alter von 13 Jahren die Gewichtsprobleme in den Griff bekommen.
Wurde ein Diabetes Typ 2 festgestellt, müssen in erster Linie eine Gewichtsreduktion durch gesteigerte körperliche Aktivität und Ernährungsumstellung, am besten in Kombination mit einer psychologischen Betreuung, auf dem Therapieplan stehen.
Dabei ist es empfehlenswert eine Ernährungsberatung zu Rate zu ziehen, die bestenfalls die Familie bei den Einkäufen begleitet, um vor Ort die Nahrungsmittelauswahl zu besprechen. Bei etwa 12 Prozent der jungen Betroffenen ist keine medikamentöse Therapie notwendig. Die Therapie wird vom HbA1c-Wert abhängig gemacht.
Diese Begleit- und Folgeerkrankungen haben dramatische Auswirkungen auf das Kindeswohl und auf ihre körperliche und geistige Entwicklung. Deshalb sollte es unser aller Anliegen sein, dass Kinder und Jugendliche von einem gesunden Lebensstil geprägt aufwachsen können.
Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen
- Bluthochdruck (→ begünstigt u.a. Arterienverkalkung und Herzinfarkte)
- Dyslipidäme (Fettstoffwechselstörung durch erhöhten Cholisterinspiegel und/oder Triglyceridspiegel und/oder veränderte Blutkonzentration an Lipoprotein → begünstigt u.a. Arterienverkalkung und Herzinfarkte)
- Fettleber (→ häufige Ursache für eine chronische Lebererkrankung bei adpösen Jugendlichen)
- Obstruktive Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf → begünstigen u.a. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Depressionen)
- Mikroalbuminurie (Ausscheidung von Albumin durch den Urin → kann u.a. Nierenerkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle verursachen)
Therapie
Die effektivste Therapie heißt: abnehmen. Dann reagieren die Körperzellen wieder empfindlicher auf das Insulin, und die Zellen bekommen wieder mehr Zucker. Folglich bleibt weniger Zucker im Blut, Nerven und Nieren werden nicht geschädigt.
Deswegen wird der Arzt wahrscheinlich eine Behandlung vorschlagen, die auch adipösen, also stark übergewichtigen Kindern hilft. Hierbei schulen Fachleute die Betroffenen in Sachen Ernährung und Bewegung: Was sollte das Kind am besten essen? Welche Aktivitäten helfen ihm beim Abnehmen? Diese Therapie dauert einige Wochen bis Monate und bindet die Eltern von vornherein ein, sonst hält das Kind die Behandlung nicht durch. Denn es muss das Gelernte zu Hause auch umsetzen können.
Tipps
Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 2 sollten sich so viel wie möglich bewegen. Das hilft ihnen beim Abnehmen. Statt mit dem Bus zur Schule zu fahren, könnte ein Kind zum Beispiel sein Fahrrad nehmen. Eltern tun ihrem Nachwuchs auch keinen Gefallen damit, sie überall hinzufahren. Lassen Sie Ihr Kind möglichst viel zu Fuß erledigen.
Regelmäßiger Sport kann den Blutzuckerspiegel wieder soweit normalisieren, dass ein Kind weniger oder gar keine Medikamente braucht. Fragen Sie Ihr Kind, welche Sportart es mag, und seien Sie offen für ausgefallene Wünsche wie Rugby oder Videoclip-Dancing. Hauptsache, es bewegt sich.
Vor dem Fernseher zu speisen ist besonders ungünstig. Denn die Ablenkung verleitet Kinder dazu, mehr zu essen als nötig - auch wenn sie längst satt sind. Außerdem ist zu empfehlen, dass die Familie zu festen Zeiten gemeinsam speist.