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Experten fordern integrierten Ansatz bei Diabetesbehandlung

Menschen, die mit Diabetes leben, sollten mithilfe integrierter Ansätze in die Lage versetzt werden, ihre Behandlung selbst in die Hand zu nehmen, so eine Gesundheitsexpertin.

(19.7.2022) - Integrierte Ansätze in der Gesundheitsversorgung zielen darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren und Gesundheitsdienstleistern zu verstärken, um eine bessere ganzheitliche Versorgung der PatientInnen zu gewährleisten.

Ein solcher Ansatz kann für Menschen mit Diabetes besonders wertvoll sein, da sie oft mit einer Reihe von SpezialistInnen und Gesundheitspersonal zu tun haben, von KardiologInnen und HausärztInnen bis hin zu Pflegekräften und AugenärztInnen.

Laut Chantal Mathieu, Professorin für Medizin an der Universität KU Leuven und Vorsitzende des Europäischen Diabetes-Forums (EUDF), ist es entscheidend, den Behandlungspfad so zu organisieren, dass die Person mit Diabetes im Mittelpunkt steht.

„Manchmal sagen KardiologInnen „mach A“, während KrankenpflegerInnen „mach B“ sagen – und das ist sehr verwirrend für die Person, die mit Diabetes lebt“, erklärte sie.

Die Pandemie habe die Vorteile eines konzertierten Ansatzes im Gegensatz zur Arbeit in einzelnen Abteilungen gezeigt. „Integrierte Versorgung bedeutet, dass der Mensch mit Diabetes alles, was mit ihm geschieht, selbst bestimmt“, erklärte sie.

Zusammen mit neuen Technologien und der Datenerfassung war die integrierte Versorgung eine der drei politischen Empfehlungen, die von der EUDF im Anschluss an ein einjähriges Projekt erarbeitet wurden, an dem mehr als 45 Fachleute beteiligt waren.

„Wir hatten diese drei Hauptarbeitspunkte vor der Pandemie gewählt, weil wir dachten, dass sie die wichtigsten Bedürfnisse abdecken würden, und der Ernstfall hat uns darin noch bestätigt“, sagte sie.

So habe die Pandemie beispielsweise gezeigt, wie wichtig Daten und Register sind. Im ersten Jahr der Pandemie „haben wir im Blindflug gehandelt und wahrscheinlich manchmal das Falsche getan“, sagte Mathieu und führte dies auf den Mangel an verfügbaren Informationen über das Virus zurück.

„Wenn man Daten darüber hat, wer an Diabetes erkrankt ist – und diese Informationen auch in den Praxisbetrieb einfließen lässt -, kann man politische Entscheidungen treffen und bestimmen, wie viele Ressourcen benötigt werden“, fügte sie hinzu.

Damit integrierte Versorgung funktioniert

Bildung und Information können ebenfalls eine Rolle bei der Einführung des Konzepts der integrierten Versorgung spielen, da die medizinischen und paramedizinischen Schulen junge ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und ErnährungsberaterInnen der Zukunft ausbilden.

Einige Ausbildungsstätten hätten die integrierte Versorgung bereits in den Lehrplan aufgenommen, so Mathieu, die das Beispiel ihrer eigenen Universität, der KU Leuven, anführte.

Im beruflichen Umfeld könnten Anreizsysteme zu einer besseren Integration in der Gesundheitsversorgung beitragen, erklärte sie. Belgien beispielsweise bietet einen Bonus von 80 Euro pro Jahr, um HausärztInnen und EndokrinologInnen zusammenzubringen.

Ein weiteres entscheidendes Element zur Umsetzung dieses Ansatzes besteht laut Mathieu darin, Menschen mit Diabetes in den Vordergrund der Diskussionen über die Versorgung zu stellen und ihre Vorschläge zu berücksichtigen.

Digitale Hilfsmittel haben in den letzten 10 Jahren mit der explosionsartigen Verbreitung neuer Technologien, wie beispielsweise Sensoren zur kontinuierlichen Messung des Blutzuckerspiegels oder Insulinpumpen, dazu beigetragen, dass DiabetikerInnen mehr Freiheiten haben.

Menschen mit Typ-1-Diabetes können auch Apps und digitale Plattformen nutzen, um Entscheidungen über ihre Behandlung zu treffen oder sich einfach bei einem gesunden Lebensstil helfen zu lassen.

„Menschen, die mit der Krankheit leben, von der Bedeutung der neuen Technologien zu überzeugen, ist vielleicht das Einfachste. Die politischen EntscheidungsträgerInnen, aber auch die Angehörigen der Gesundheitsberufe zu gewinnen, ist nicht so einfach“, so Mathieu.

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