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Diabetologen warnen: „Retinopathie wird unterschätzt!“

„Zu wenig leitliniengerechte Augenarzt-Kontrollen bei Diabetikern!“, kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Sie fordert ein konsequentes Screening.

(Berlin, 24.11.2020) - Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich ja lange Zeit unbemerkt. Regelmäßige Augenarzttermine gehören daher zu einer leitliniengerechten Diabetestherapie dazu, werden jedoch zu selten umgesetzt, kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

In Deutschland habe rund jeder vierte Typ-1-Diabetiker eine Retinopathie – beim Typ-2-Diabetes sei etwa jeder Sechste betroffen: „In Studien hat sich jedoch gezeigt, dass bereits rund 30 Prozent aller neudiagnostizierten Typ-2-Patienten Veränderungen an der Retina aufweisen“, wird PD Dr. Klaus Dieter Lemmen, AG „Diabetes und Auge“ der DDG, in einer Mitteilung der Gesellschaft zitiert.

Umso wichtiger sei es, die vorgesehene augenärztliche Untersuchung bei Neudiagnose eines Typ-2-Diabetes einzuhalten.

Nur jeder Dritte wird untersucht

„Leider findet diese Untersuchung nur bei einem Drittel aller Patienten statt“, fügt Professor Hans-Peter Hammes, Mitglied des DDG Ausschusses „Diabetologe DDG“ hinzu. Nach zwei Jahren Diabetesdauer sei erst die Hälfte der Patienten einem Augenarzt vorgestellt worden.

Hammes erinnert zudem daran, dass Hypertonie die Krankheitsprozesse beschleunigen kann. „Menschen, die neben Diabetes auch Bluthochdruck aufweisen, sollten besonders sorgfältig therapeutisch eingestellt und leitliniengerecht zum Augenarzt gehen.“

Weitere Risikofaktoren für die Entstehung einer Retinopathie sind neben einem schlecht eingestellten Blutzucker die Diabetesdauer, ein eventuell fortgesetzter Tabakkonsum sowie hormonelle Umstellungen in der Pubertät oder während einer Schwangerschaft.

Frühe Therapie bremst Sehverlust

Als besonders starker Risikofaktor für eine rasche Progression einer Retinopathie hat sich eine gleichzeitig bestehende diabetische Nephropathie erwiesen. „Wenn bereits Nierenschäden nachgewiesen werden, muss oft mit einer Verschlechterung einer bestehenden Retinopathie, auch in „visusbedrohende“ (z. B. Blutungen, Hypotonie)) Stadien gerechnet werden. Bei diesen Patienten ist leitliniengerechtes Screening von besonderer Bedeutung“, so Hammes.

In der Regel sehen die Leitlinien ein Screening-Intervall von ein bis zwei Jahren vor, erinnert die DDG. Durch eine rechtzeitige Therapie mittels Laser, Medikamenteninjektionen und mikrochirurgische Eingriffen könne der Sehverlust bei fortgeschrittener Retinopathie oft gebremst oder gestoppt werden.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/