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Diabetes und Schlaganfall? Was diese Kombination für das Demenzrisiko bedeutet

Die gute Nachricht: Eine einzige kardiometabolische Erkrankung hat kaum Auswirkungen auf das Demenzrisiko, so eine Studie. Aber: Jede weitere verdoppelt das Risiko und zieht den Beginn einer Demenz um zwei Jahre vor.

(Denver, 3.8.2021) - Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfälle erhöhen auch das Demenzrisiko – das ist aus epidemiologischen Studien schon länger bekannt. Oft wird von einem verdoppelten Risiko ausgegangen, wenn solche Begleiterkrankungen vorliegen. Allerdings haben viele Patienten mehrere kardiometabolische Leiden, und das wird in den Studien häufig nicht berücksichtigt, sodass der Beitrag der einzelnen Erkrankung und deren Zusammenwirken bei der Demenzentstehung noch recht unklar sind. Nach Resultaten einer schwedischen Kohortenstudie kann man sich zumindest eine kardiometabolische Erkrankung „leisten“, ohne sein Demenzrisiko stark zu erhöhen, mit jeder weiteren potenziert sich das Risiko aber.

Zu diesem Schluss kommen Forscher um Abigail Dove vom Karolinska-Institut in Stockholm nach einer Auswertung der „Swedish National Study on Aging and Care – Kungsholmen“ (SNAC-K). Darin wurden Bewohner von Stockholm im Alter von mehr als 60 Jahren bis zu zwölf Jahre lang regelmäßig medizinisch untersucht, unter anderem auf ihre kognitiven Fähigkeiten.

Die Forscher um Dove berücksichtigten rund 2600 Teilnehmer, die anfangs noch keine kognitiven Probleme (1873 Personen) oder nur leichte kognitive Einschränkungen (MCI), aber keine Demenz (704 Teilnehmer) hatten. In der ersten Gruppe schauten sie nach dem kognitiven Abbau und der Entwicklung einer MCI, in der zweiten nach der Demenzrate. In der Gruppe ohne kognitive Probleme hatten zwei Drittel keine kardiometabolischen Erkrankungen, ein Viertel eine, sechs Prozent zwei und nur sieben Patienten (0,3 Prozent) drei. Kardiometabolische Leiden wurden grob in Diabetes, Schlaganfall und Herzerkrankungen eingeteilt.

Schneller Abbau bei Schlaganfall plus Diabetes

Resultate der Studie präsentierte Dove beim Internationalen Alzheimerkongress AAIC in Denver, USA. Danach ist bereits bei einer einzigen kardiometabolischen Krankheit (KMK) ein beschleunigter kognitiver Abbau zu beobachten, am stärksten nach einem Schlaganfall. Deutlich rascher geht es bei zwei KMK mit der Kognition bergab, am schnellsten unter der Kombination Schlaganfall plus Diabetes, und eine dritte KMK scheint die Abbaugeschwindigkeit weiter zu erhöhen.

Das Risiko für eine MCI ist bei einer einzelnen KMK nach den Berechnungen der Forscher jedoch nur marginal und nicht signifikant erhöht, bei zwei KMK bereits um 62 Prozent, für die Kombination Diabetes und Herzkrankheit um 82 Prozent. Insgesamt geht eine KMK-Multimorbidität (zwei oder mehr Erkrankungen) mit einer um 73 Prozent erhöhten MCI-Rate einher, und drei KMK verfünffachen das MCI-Risiko.

Etwas plastischer ausgedrückt, trat eine MCI bei zwei oder mehr KMK um 2,3 Jahre früher auf als bei vergleichbar alten Teilnehmern ohne KMK.

Zwei Jahre früher Demenz?

Ein ähnliches Ergebnis gab es für die Personen mit kognitiven Problemen zu Beginn: Solche ohne KMK wurden im Schnitt nach 10,5 Jahren demenzkrank, mit einer KMK kam die Demenz nach 9,8 Jahren, mit zwei oder mehr KMK nach 8,7 Jahren und mit drei nach 6,3 Jahren. Unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und anderen Begleitfaktoren trat eine Demenz bei zwei oder mehr KMK 1,8 Jahre früher, bei drei KMK 4,2 Jahre früher auf. Auch hier scheint eine einzige KMK das Demenzrisiko nicht wesentlich zu erhöhen, jede weitere zieht eine Demenzerkrankung aber um zwei Jahre vor.

Da etwa 30 Prozent der älteren Menschen in Industrieländern zwei oder mehr KMK aufwiesen, seien diese Resultate sehr relevant, so Dove. Es böten sich hier gute Chancen für eine wirksame Demenzprävention.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/