Diabetes: So können Hausärzte entlastet werden
Medizinische Praxiskoordinatorinnen können bei der Betreuung von Diabetes-Patienten viele Leistungen gleichwertig übernehmen. Das zeigt eine Schweizer Studie.
(28.6.2022) - Können neue Betreuungsmodelle dabei helfen, Hausärztinnen und Hausärzte bei der Behandlung von Patienten mit Diabetes zu unterstützen? Dieser Frage widmet sich eine neue Studie des Berner Instituts für Hausarztmedizin (BIHAM).
An der Querschnittstudie, welche die Betreuung von Patienten mit Typ-2-Diabetes in Praxen mit und ohne Medizinischen Praxiskoordinatorinnen (MPK) vergleicht, haben 22 Praxen aus der Deutschschweiz – darunter zwölf mit MPK – teilgenommen. Die Stichprobe umfasst rund 170 Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes, die bei Beginn der Untersuchung im August 2020 seit mindestens einem Jahr in Behandlung waren.
Entlastung für Hausärzte
MPK können Hausärztinnen und Hausärzte bei der Betreuung von Patienten mit Diabetes auf einem qualitativ hohen Behandlungsniveau entlasten, wie die Ergebnisse zeigen. Gemäß der Studie können komplexe und zeitintensive Betreuungsaufgaben von den Hausärzten zu den MPK verlagert werden. Ob Blutzuckermessungen, Fußuntersuchungen oder Ernährungs- und Bewegungsberatung: MPK können bei der Betreuung von Diabetes-Patienten viele Leistungen gleichwertig übernehmen.
Das sagt der Co-Studienleiter
«Die hohe Qualität der Diabetesbetreuung durch die Ärzteschaft wird mit dem Einsatz von MPK erhalten. Die interprofessionelle Arbeit wird Ärztinnen und Ärzten helfen, mehr Sprechstundenzeit für die komplexeren Patienten bereitzustellen», wird Co-Studienleiter Sven Streit, Leiter interprofessionelle Grundversorgung beim BIHAM zitiert.
Gleich hohe Betreuungsqualität in beiden Modellen
Die Studie zeigt zudem, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes von den untersuchten Hausarztpraxen ohne MPK auf einem sehr hohen Qualitätsniveau behandelt werden. Und: Die untersuchten Praxen mit MPK erzielen bezüglich der Behandlungsqualität und -last sowie der Zufriedenheit mit der Behandlung gleich gute Resultate.
Die Studienleiterin, Anna-Katharina Ansorg, sagte: «Die Ärztinnen und Ärzte, die an unserer Studie teilgenommen haben und selber eine MPK beschäftigen, haben die interprofessionelle Zusammenarbeit durchweg positiv bewertet.»
Können auch Kosten gespart werden?
Ob das Modell mit MPK kostensparend ist, kann die Studie nicht beantworten. Streit aber sagte gegenüber der Online-Plattform: «Wir haben deutliche Hinweise auf das Potenzial geringerer Kosten in einem Modell mit MPK. Jeder Diabetiker, der gut betreut wird, verursacht längerfristig tiefere Gesundheitskosten.»





