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Diabetes-Internat: Neben Algebra auch das Leben mit der Krankheit auf dem Lehrplan

(Deutschland, 2.11.2020) - Urlaub am Meer, endlose Sandstrände und rauer Küstencharme. Für die meisten Menschen ist ­­St. Peter-Ording ein perfekter Ort, um dem Alltag zu entfliehen. Anders die Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die hier im Nordsee-Internat leben und lernen. Ihr Ziel: Den Alltag mit Stoffwechsel­erkrankung und schulischen Verpflichtungen besser zu schultern.

Es sind nur wenige Schritte vom Nordsee-Internat zum Deich von Böhl, einem beschaulichen und ruhigen Ortsteil des Urlaubsorts St. Peter-Ording. Dort trifft man zu jeder Jahreszeit Touristen, die sich beim Spazierengehen oder Radfahren gegen den Wind stemmen, Urlaubsfotos mit Leuchtturm schießen und den Blick über die weiten Salzwiesen und den Strand schweifen lassen.

Die Kinder und Jugendlichen, die im Nordsee-Internat leben und lernen, sieht man seltener am Deich oder am Strand. Ihr Tagesablauf ist straff getaktet und lässt ihnen nicht viel Zeit für typische Touristen-Aktivitäten: Aufstehen, gemeinsames Frühstück, Unterricht in einer der fußläufig erreichbaren Schulen des Ortes, gemeinsames Mittagessen, Lernzeit, Freizeitkurse, gemeinsames Abendessen, bei Bedarf noch Förderstunden – und zwischendurch natürlich den Diabetes im Blick behalten. Bis zu 25 – aktuell sind es 15 – der 120 Internatsplätze stehen für Kinder mit Typ-1-Diabetes zur Verfügung. Sie leben hier, weil sie zu Hause nicht mit ihrem Diabetes klarkamen oder schulische Schwierigkeiten hatten. Häufig genug auch beides. Dazu familiäre und pubertäre Konflikte rund um den Typ-1-Diabetes.

Stress und Streit mit den Eltern wegen des Diabetes

„Meine Mutter und ich haben uns sogar in der Öffentlichkeit oder vor Freunden über den Diabetes gestritten“, erinnert sich Kati Schmidtke, mit 13 Jahren derzeit die Jüngste im Diabetes-Haus. Den Wechsel ins Internat hat sie sich zwar nicht gewünscht, doch trotz gelegentlichem Heimweh ist sie mittlerweile froh, hier zu sein. Das gilt auch für den 16-jährigen Dorian Siehl: „Ich war zu Hause wirklich schlimm. Es gab Tage, an denen ich mich schlicht geweigert habe, meinen Blutzucker zu messen und mich um meinen Diabetes zu kümmern – ich wollte ihn verdrängen.“

Das kommt Melina Lorenz (16) bekannt vor: „Zu Hause gab es manchmal Stress mit meinen Eltern, weil ich behauptet habe, dass ich meinen Zucker gemessen habe – obwohl das gar nicht stimmte.“ Und die 17-jährige Emma Sauer erzählt: „Ich konnte meinen Diabetes nicht ertragen, deshalb war ich unerträglich für andere. Ich habe großen Res­pekt vor meinen Eltern, die mussten einiges mit mir aushalten.“

Seit sie im Internat lebt, hat sich die Beziehung zu ihren Eltern verbessert. „Die Entfernung tut einfach gut“, beschreibt Emma Sauer die Situation, „wir streiten nicht mehr über diese alltäglichen Dinge, weil ich sie nicht mehr mit der Familie teile. Und auf einmal freut man sich sogar wieder auf zu Hause.“

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