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Diabetes im Urlaubsparadies Milos

Die Kykladen – eine Inselgruppe in der Ägäis. Mykonos, Santorini, Paros, wer kennt nicht diese herrlichen Urlaubsziele. Im Sommer mit einem Charterflug aus Wien in zwei Stunden zu erreichen. Sommer, Sonne, blauer Himmel, das Meer und Urlaubsgefühle machen sich breit – vergessen sind die Sorgen und Probleme des Alltags in der fernen Heimat.

Von Dr. Adalbert Strasser / Präsident der ADA – Aktive Diabetiker Austria  
www.aktive-diabetiker.at

Die Kykladen – eine Inselgruppe in der Ägäis. Mykonos, Milos, Santorini, Paros, wer kennt nicht diese herrlichen Urlaubsziele. Im Sommer mit einem Charterflug aus Wien in zwei Stunden zu erreichen. Sommer, Sonne, blauer Himmel, das Meer und Urlaubsgefühle machen sich breit – vergessen sind die Sorgen und Probleme des Alltags in der fernen Heimat. 
Nach einem kitschig schönen Sonnenuntergang werden kulinarische Köstlichkeiten in den Tavernen angeboten. Die Hauptmahlzeit wird in Griechenland am späten Abend eingenommen, so um 21 Uhr. 
Diese Mahlzeiten sind üppig, weit weg von der berühmten „Kreta Diät“, die uns Gesundheit und ein langes Leben verspricht. Griechischer Wein und Ouzo runden das gemütliche Beisammensein ab. 
Die griechische Gastfreundschaft ist verpflichtet, das Abendmahl mit Nachspeisen abzuschließen, die ihresgleichen suchen können – der Verzehr von Kohlenhydraten und Fett findet hier in Dessertvariationen verpackt seinen Höhepunkt. 
So richtig gesättigt gönnt man sich nun noch ein „pagaki“, eine oder zwei Kugeln Eis für den Weg zu Quartier. 

Eine Stoffwechselbelastung der besonderen Art. 

Die Gastfreundschaft gebietet es auch, diese Vorgangsweise wiederkehrend, Tag für Tag, zu zelebrieren. Doch, man lebt ja nicht auf den Kykladen und, wieder zu Hause, besinnt man sich der „gesunden Ernährung“, die uns vorgebetet wird, mehr oder weniger eindringlich. 

Doch was ist mit den „Zurückgebliebenen“, mit den Bewohnern der griechischen Inseln. 
Wird dieser Ernährungsrhythmus vor Ort weiter beibehalten? 

Diabetes ist auch auf Inseln ein Thema. 

Hat man das Vertrauen der Leute erlangt und ist zufällig Arzt und ein Spezialist für den „diabetischen Fuß“ wird man zwangsläufig mit Diabetes konfrontiert – und hier ist vieles anders als zu Hause. 

3000 Einwohner leben auf der Insel – ein Viertel davon sind Diabetiker – wahrscheinlich mehr, denn auch hier gibt es eine Dunkelziffer, ein Metabolisches Syndrom, einen Prädiabetes. Und so wie in allen Ländern der Europäischen Union jeder Fünfte der Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, Komplikationen mit dem Fuß – dem diabetischen Fuß. 

Allein die Anzahl von 750 manifesten Diabetikern würde ein Diabeteszentrum auf der Insel rechtfertigen - ein Zentrum, das sich mit allen Facetten des Diabetes beschäftigt. 

Gibt es nicht! 

Die Essgewohnheiten, welche dem Touristen wohlwollend präsentiert werden, sind auch dem Griechen heilig. 

Hat sich der Touristenstrom verflüchtigt, spielt das gemeinsame Essen eine noch größere Rolle – es wird aufgekocht, ohne Rücksicht auf Verluste, auf Diabetes. 
Man isst gemeinsam, diskutiert die politische und die wirtschaftliche Lage und isst und trinkt – der krönende Abschluss, die berühmten „glyco“, die Süßspeisen, bestehend aus Zucker, Honig, Schlagobers, Mandeln etc. etc., voll Stolz von der Gastgeberin selbst zubereitet, das Rezept von Generation zu Generation weitergegeben. 

Ein Phänomen, das man gar nicht glauben kann, die Reste der Süßspeisen werden dann in der Nacht, so um zwei, drei Uhr in der Früh verputzt. 

Ein Eldorado für einen Diabetologen – nächtlicher Heißhunger auf Süßigkeiten nach einem wahrlich üppigen Mahl. 

Der orale Glukosetoleranztest als hardcore Variante, ein Belastungstest der besonderen Art. 

Vorsorge, Aufklärung, Sensibilisierung, Prävention in der Bevölkerung, mitnichten, Diabetes ist hier mittendrin – nichts Besonderes, man lebt damit. 

Aber man lebt damit nicht gut – unausweichlich kommen die Probleme, die Komplikationen. 

„kopsi“ – abschneiden, ist hier das Wort für Amputation, „problema“ treten auf, wenn die Sehleistung infolge der diabetischen Retinopathie nachlässt und die Erblindung droht. 

Die Ärzte hier bemühen sich, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, zu helfen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten wohlgemerkt. Der nächste Spezialist ist mit der Fähre – sechs Stunden Fahrzeit - zu erreichen, also nicht an der Hand und jederzeit verfügbar. 

Selbsthilfe, die im Gesamtpaket der Diabetesbetreuung zunehmend eine große Rolle spielt, gibt es nicht. Die gegenseitige Unterstützung fehlt. 

Unzählige, für uns selbstverständliche und verankerte Systemleistungen fehlen hier. 
Unser Finanzsystem wurde schon übernommen, unser Gesundheitssystem noch nicht.

Nehmen wir unser Diabetes Management nicht als selbstverständlich hin .... 

Und zum Abschluss – zum Nachkochen – und Nachdenken: 

GALAKTOBOUREKO 

Quelle: Original Griechische Küche 
Für 4 – 6 Portionen 

3 Eigelb 
1/8 kg Zucker 
50 g Speisestärke 
3/8 l Milch 
1 Beutel Vanillezucker 
50 g zerlassene Butter 
3 Eiweiß 
200 g Blätterteig 
40 g Butter zum Bestreichen 

Für den Sirup: 
250 g Zucker 
Saft einer halben Zitrone 
Abrieb einer BIO Zitrone 

In einem Topf Eigelb, Zucker und Stärkemehl vermischen. Den Topf auf den Herd stellen und bei mittlerer Temperatur langsam die Milch einrühren bis ein dicker Pudding entsteht. Vanillezucker und Butter untermischen, den Topf vom Herd nehmen und den Pudding auskühlen lassen. Das Eiweiß steif schlagen und unter den kalten Pudding ziehen. 
Den Backofen auf 180 ° C vorheizen. Eine runde Kuchenform von 26 Zentimeter Durchmesser mit Butter einfetten und die Teigblätter auf die Größe der Backform zuschneiden. Die Hälfte der Teigblätter mit Butter bepinseln, übereinander in die Kuchenform schichten. Den Pudding darauf verteilen. Die übrigen Teigblätter mit Butter bestreichen und auf den Pudding legen. Mit der restlichen Butter bestreichen und mit Wasser besprühen. Die Pastete 50 – 60 Minuten backen. 
Kurz vor Ende der Backzeit den Sirup zubereiten. Dafür 150 Milliliter Wasser mit dem Zucker, Zitronensaft und Zitronenschale etwa 10 Minuten köcheln, bis der Sirup eindickt. Die Pastete aus dem Ofen holen und mit heißen Sirup übergießen. 

Kali orexi – Mahlzeit 

Nebenbemerkung: keine Nährwertangaben vorhanden! 

Dr. Adalbert Strasser