Deutschland: Diabetesplan kommt kaum vom Fleck
Ärzte wünschen sich deutlich mehr Tatendrang und Tempo bei der Umsetzung der Diabetesstrategie. Bislang erschöpfe sich vieles in Absichtserklärungen – Stichwort Zuckerreduktion.
(Berlin, 12.4.2021) - Ärzte sind in Sorge um die nationale Diabetesstrategie (NDS). Diese könne zum Papiertiger geraten. Sie wünsche sich daher „deutlich mehr Tatendrang und Tempo“ bei der Umsetzung der Inhalte des Diabetesplans, sagte die Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Professor Monika Kellerer anlässlich der Jahrespressekonferenz der Fachgesellschaft kürzlich in Berlin.
Es reiche nicht, nur Ankündigungen zu machen. Durch Reden allein werde keine einzige neue Diabeteserkrankung verhindert, sagte die Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital in Stuttgart.
Auf Antrag der Koalitionsfraktionen hatte der Bundestag im Juli 2020 nach langem Ringen einen nationalen Diabetesfahrplan verabschiedet. Darin enthalten sind mehrere Empfehlungen an Bund und Länder, aber auch an die gemeinsame Selbstverwaltung.
Zügige Initiierung nicht zu erkennen
So sollen etwa Prävention und Versorgungsforschung zu Diabetes mellitus und Adipositas vorangetrieben und weitere Lehrstühle an Universitäten zu beiden Volkskrankheiten aufgebaut werden. Zudem soll die Bundesregierung bei der Bundesärztekammer darauf hinwirken, Adipositas vermehrt in der Fort- und Weiterbildung von Ärzten zu berücksichtigen.
Die Selbstverwaltung soll aufgefordert werden, stärker für die Teilnahme an strukturierten Behandlungsprogrammen (DMP) zu werben und für eine aussagekräftige Evaluation und Qualitätsberichterstattung zu den Programmen zu sorgen.
Das seien zweifelsohne alles „wichtige Elemente“ einer wirksamen Diabetesstrategie, sagte Kellerer. Die von Union und SPD in deren Diabetes-Antrag geforderte „zügige Initiierung“ könne sie bisher aber nicht erkennen.
Gerade bei der Prävention bleibe der Antrag „schwammig“, kritisierte die Ärztin. Es fehlten konkrete Maßnahmen, die die Menschen im Alltag erreichten und die in anderen Ländern schon lange umgesetzt seien.
Dazu gehöre etwa eine „signifikante Reduktion“ des Zuckergehalts in Fertig-Lebensmitteln, ein Werbeverbot für ungesunde Kinderprodukte und eine Sonderabgabe für stark gesüßte Limonaden wie beispielsweise in Mexiko oder Großbritannien.





