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Der Dickmacher versteckt sich überall

Wenn auf dem Smoothie steht «enthält nur Fruchtzucker», klingt das zunächst mal natürlich – und harmlos. Genau das Gegenteil ist der Fall. Fruchtzucker macht dick und krank.

(Schweiz, 25.5.2022) - Schuld am Übergewicht ist natürlich, dass zahlreiche Menschen in der industrialisierten Welt zu viele Kalorien aufnehmen. Aber nicht nur. Eine soeben publizierte umfangreiche Übersichtsstudie zeigt, dass viel dieses Übergewichts der Fruktose geschuldet ist – oder eben dem Fruchtzucker.

In allen gesüßten Speisen verborgen

Wir konsumieren diesen schädlichen Zucker, oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind. In Süßgetränken, Energydrinks und Smoothies. Und sogar Fruchtsäfte sind damit nachgesüßt. Aber auch Backwaren und sogar Babynahrung enthalten den Stoff. Und so werden wir schon von klein an mit einer Zuckerart überversorgt, die die Natur nicht in diesen Mengen für unsere Ernährung vorgesehen hat. Das bisschen Fruchtzucker, das zum Beispiel ein Apfel enthält, ist dagegen vernachlässigbar.

Ende des 17. Jahrhunderts lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in der englischen Bevölkerung bei etwa zwei Kilogramm pro Jahr. Bis in die 1800er-Jahre nahm er nicht wesentlich zu. Danach kam es zu einem dramatischen Anstieg: Im Jahr 2000 erreichte er in den USA etwa siebzig Kilogramm pro Person und Jahr. Parallel dazu stieg die Anzahl von Menschen mit Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes dramatisch.

Wobei der Anstieg des Zuckerkonsums vor allem auf den Konsum von Getränken zurückzuführen ist, die mit industriellem Fruktosesirup gesüßt sind. Schätzungen zufolge stieg der Konsum von zuckergesüßten Getränken in den USA zwischen 1950 und auf das Fünffache: Heute trinkt jeder Mensch in den USA einem halben Liter pro Tag, total 190 Liter pro Jahr

Die Aufnahme von freiem Zuckern in der Ernährung beginnt bei Kindern sehr früh und erreicht bereits in den ersten drei Lebensjahren hohe Werte, wie eine Studie aus Italien zeigt.
Der höchste Verbrauch ist jedoch in der Vorpubertät und im Jugendalter zu verzeichnen.
In den USA wird bei vielen Kindern der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Grenzwert von zehn Prozent der täglichen Kalorien aus Einfachzucker allein durch den Konsum von Süßgetränken überschritten.
Gleichzeitig zeigen andere Untersuchungen, dass amerikanische Kinder immer weniger Obst essen und so immer weniger natürliche Fruktose konsumieren.

Eigentlich ist Fructose ja ein natürlicher Stoff, darum darf auf den Verpackungen auch stehen «enthält nur Fruchtzucker». Gelogen ist das zwar nicht, aber heute ist Fructose ein Industrieprodukt – hergestellt aus Maisstärke. Es ist rund siebzig Prozent süßer als Kristallzucker und viel billiger. Darum hat sie sich in der Nahrungsmittelindustrie durchgesetzt. Und darum finden wir sie auch an Orten, wo wir keinen Zucker vermuten. Zum Beispiel in Ketchup oder Würsten.

Natürlich und doch gefährlich

Fructose verursacht im Vergleich zu anderen Zuckerarten, wie im Beispiel dem herkömmlichen Kristallzucker, mehr Übergewicht, weil sie eine viel stärkere Produktion von Triglyceriden und freien Fettsäuren induziert, was zu einem Energieungleichgewicht führt.

Sie greift auch an verschiedenen Stellen auf schädliche Weise in den Stoffwechsel ein, indem sie im Körper die Freisetzung von Substanzen wie Harnsäure, Laktat und Ceramid stimuliert. Und so geht eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen zumindest teilweise auf das Konto der Fruktose: Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit häufigste Todesursache. Und sie führt sogar schon bei Kindern zu Stoffwechselstörungen, Diabetes und Fettleber.

Damit nicht genug: Durch die Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen fördert Fruktose einen Zustand chronischer Entzündung, während sie schützende Zytokine blockiert. Und schliesslich beeinflusst sie das Kontrollsystem für Hunger und Sättigung, weswegen Menschen, die viel Softdrinks zu sich nehmen, auch zu viel essen.

Prävention dringend nötig

Die Forschenden, die in ihrer Studie all diese spezifischen Wirkungen zusammengestellt haben, fordern präventive Maßnahmen, die den Fruktosekonsum, insbesondere im Kindesalter, begrenzen. Denn schon Neugeborene zeigen eine angeborene Vorliebe für Süßes – und Fruktose ist die natürliche Substanz, die dieses Gefühl am stärksten bedient.