Der Diabetes kann mich mal TEIL 3

Foto: Peter Illetschko
Von Peter Illetschko
Corona ist für Cooper kein Thema. Jener portugiesische Wasserhund, der vor fast einem Jahr bei uns eingezogen ist und uns großzügigerweise gestattet zu bleiben, muss täglich mehrfach raus - da hilft kein Lockdown. Bei Hitze, Kälte, Sonnenschein oder Schneetreiben, bei Windböen von ungeahnten Ausmaßen, bei Glatteis oder starkem Regen: der Hund braucht die Gelegenheit, sich durch die Nachbarschaft zu schnuppern und da und dort einen Marker anzubringen. Ab und zu materialisiert er auch, was zu materialisieren ist - und manchmal dauert das alles länger als nur seine Zeit. Cooper erledigt Geschäftstermine wie diese nicht nebenbei, da muss die Lage vorher genauestens sondiert werden. Manchmal scheint es, als würde der Hund ein Ranking der besten Plätze in der Umgebung geistig abrufen und schauen wollen, ob es nicht anderswo noch bessere Plätze gibt, der Abwechslung wegen. Da zieht er dann an der Leine, schnaubt wie ein Pferd und findet erst Ruhe, wenn der Platz wirklich 100-prozentig passt. Vermutlich spielt auch die Pubertät eine nicht gerade unbedeutende Rolle. Seit Wochen schnuppert er mehr als er schaut, schnüffelt ohne Unterlass an allem Weiblichen und an allen Spuren der vierbeinigen Damen. Rüden haben in dieser Phase ihres Lebens auch keine Hemmungen, an zweibeinigen Damen zu schnuppern. Das müssen diese nicht wirklich mögen, vor allem dann nicht, wenn der Hund instinktiv der Meinung ist, es wäre an der Zeit der Kopulation zu frönen - und lustvoll an Damenbeinen wetzt.

Foto: Christina Pollmann
Schimpfen hilft da nicht viel, man kann ihn nur wegziehen und ablenken - mit einem kurzen Training mit hinreichend Goodies, auf dass das Hirn wieder dort ist, wo es sich eigentlich befinden sollte: Im Kopf. Es heißt ja, dass männliche Menschen im Pubertätsalter auch nicht anders auf weibliche Reize reagieren, das tierische Element dieser Sehnsucht gerade noch unterdrückend, aber das ist natürlich eine böswillige Verleumdung.
Cooper ist, wenn ich mit ihm spazieren gehe, kaum hormongesteuert - kein Wunder, ich bin ja auch ein Mann und keine Frau. Er will mir nur manchmal zeigen, dass er ein echter Kerl ist. Dann beißt er in die Leine, knurrt gefährlich, und im Finster bellt er jeden Schatten außer seinen eigenen an. Ab und zu fehlt ihm dabei die Konzentration auf das Wesentliche, also auf mich und meinen Wunsch, zügig zu erledigen, was zu erledigen ist. Vielleicht zieht er das Gassigehen auch raus, weil er spürt, ich müsste eigentlich längere Spaziergänge machen, Er hüpft in Berge von Laubblättern und in Schneehügel, weil das einfach lustig ist und er in seiner Lebensfreude genau das jetzt braucht. Ob ich dann schimpfe? Natürlich nicht, ich hüpfe höchsten hinterher. Und habe am Ende des Tages ideale Zuckerwerte.
Die mehrteilige Serie “Der Diabetes kann mich mal” erscheint in loser Folge und zeigt die Fortschritte des Autors beim Fitnessprogramm