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Das Spektrum der Diabetes-Komplikationen hat sich verändert

Diabetiker müssen auch weiterhin öfter stationär behandelt werden als Nichtdiabetiker. Aber die Ursachen haben sich in den letzten Dekaden verschoben. Wieso ist das so? Die Studienautoren haben eine Erklärung.

(London, 31.1.2022) - Bei der Prävention von Diabetes-Spätfolgen gibt es offenbar Erfolge: Das Risiko, dass Diabetiker wegen kardiovaskulärer Komplikationen oder Amputation stationär aufgenommen werden, ist seit den Nullerjahren stark gesunken. Laut einer Studie aus England dürften die Anforderungen an die Prävention damit aber keinesfalls weniger werden.

Denn die Hospitalisierungsraten von Diabetikern liegen weiterhin über denen von Nichtdiabetikern, und zwar unabhängig vom Aufnahmegrund. Zudem haben Klinikaufnahmen mit nicht diabetesspezifischen Ursachen deutlich zugenommen, sodass die Ursachen heute vielfältiger sind als vor 20 Jahren.

Für die Studie wurden Registerdaten der Jahre 2003 bis 2018 ausgewertet, mehr als 300.000 Erwachsene mit Diabetes vom Typ 1 oder 2 wurden mit ebenso vielen gleichaltrigen Männern und Frauen ohne Diabetes hinsichtlich Hospitalisierungen verglichen. Unabhängig vom Anlass der Krankenhausaufnahmen waren Diabetiker durchgängig häufiger betroffen als Nichtdiabetiker (Lancet Diab Endocrinol. 2021; online 30. November).

Rückgang bei KHK und Amputationen

Die meisten typischen Diabeteskomplikationen verloren in dieser Zeit als Einweisungsursache an Bedeutung, wobei der Rückgang in den letzten Jahren abflachte. Am stärksten war die Reduktion bei Aufnahmen wegen KHK (–29 Prozent bei Männern und –34Prozent bei Frauen), Major-Amputationen (–64 und –77 Prozent) und Diabetes (–54 und –65 Prozent; ohne Hyperglykämien); hyperglykämische Krisen nahmen dagegen zu (+40 und +26 Prozent).

Einen kontinuierlich starken Anstieg gab es bei Atemwegsinfektionen (+167 und +193 Prozent). Auch Krebserkrankungen, die nicht mit Diabetes in Zusammenhang stehen, nahmen erheblich zu (+40 und +44 Prozent), diabetesassoziierte Krebsfälle blieben hingegen auf einem stabilen Niveau. Bei Sepsisfällen gab es in den letzten Jahren einen steilen Zuwachs und insgesamt eine Verzehnfachung.

Damit kam es zu einer Diversifizierung der Einweisungsursachen: Etablierte Komplikationen, etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetesakutkomplikationen und Amputationen hatte 2003 über die Hälfte der Klinikeinweisungen verursacht (58 Männer, 49 Prozent Frauen); 2018 machten sie nur noch ein Drittel aus (38 und 28 Prozent). Umgekehrt vergrößerte sich der Anteil von Hospitalisierungen aufgrund von Krebs auf 21 und 20 Prozent und aufgrund von Infektionen auf 11 und 12 Prozent.

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