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Das passiert in den "Wechseljahren" bei Männern

Über die Wechseljahre von Frauen ist viel bekannt. Aber auch bei Männern gibt es hormonelle Veränderungen, wenn sie älter werden. Insbesondere sinkt bei ihnen ungefähr ab dem 40. Lebensjahr der Spiegel des Hormons Testosteron ab. Klassische Wechseljahre, die mit der starken hormonellen Veränderung bei Frauen innerhalb weniger Jahre vergleichbar sind, haben Männer allerdings nicht.

(6.4.2022) - Der wohl größte Unterschied liegt darin, dass sich die hormonelle Veränderung bei Männern über Jahrzehnte erstreckt und nur sehr allmählich passiert. "Der Verlust an Testosteron beträgt rund ein bis zwei Prozent pro Lebensjahr", sagt Tobias Jäger im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist Facharzt für Urologie und Andrologie mit genetischer Beratung und Männergesundheit.

Woran erkennen Männer einen Testosteronmangel?

Das Absinken des Testosteronspiegels ist ein normaler körperlicher Vorgang. Allerdings kann es dabei zu Problemen kommen – etwa dann, wenn Männer schon in jungen Jahren einen niedrigen Testosteronspiegel hatten und dieser dann im Alter weiter absinkt. In anderen Fällen nimmt der Testosteronspiegel deutlich stärker als um ein bis zwei Prozent pro Jahr ab. "Dabei ist dann nach einiger Zeit ein Testosteronmangel die Folge", erklärt der Experte.

Männer fühlen sich bei einem Testosteronmangel etwa müde und abgeschlagen, nehmen am Bauch zu oder fühlen sich antriebslos und depressiv. Ein Hormonmangel kann auch zu sexuellen Störungen führen. "Männer mit einem Testosteronmangel leiden häufiger unter reduzierter Libido oder Erektionsstörungen", sagt der Androloge. Weil die Symptome so allgemein sind, denkt man nicht unbedingt an einen Hormonmangel. Stattdessen kommt es durchaus vor, dass fälschlicherweise ein Burnout oder eine Depression diagnostiziert werden.

Testosteron wirkt auch auf den Fettstoffwechsel

Testosteron gilt gemeinhin als "männliches Hormon". Es hat aber vielfältige Wirkungen im Körper, etwa auf den Fettstoffwechsel und auf den Zuckerhaushalt. "Ein niedriger Testosteronspiegel bremst den Stoffwechsel regelrecht aus", sagt Tobias Jäger. Dadurch nimmt bei Männern mit Testosteronmangel die Muskelmasse ab, während sich mehr Fett am Bauch bildet.

Das setzt oft einen Teufelskreis in Gang: Im Bauchfett ist nämlich ein Enzym namens Aromatase in großer Menge enthalten. Dieses Enzym wandelt Testosteron in das weibliche Geschlechtshormon Östrogen um. Dadurch sinkt der Testosteronspiegel weiter ab, es bildet sich noch mehr Bauchfett – und der Abbau von Testosteron schreitet noch stärker voran.

Höheres Risiko für Diabetes bei Testosteronmangel

Ein Testosteronmangel wirkt sich nicht nur auf die Psyche aus, sondern erhöht auch das Risiko, Diabetes zu entwickeln. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen fehlendem Testosteron, hohem Cholesterinspiegel, hohen Blutfettwerten und einer Störung im Zuckerstoffwechsel.

Männliche Diabetiker haben beispielsweise oft auch einen Testosteronmangel. "Wird der Testosteronmangel dann medikamentös durch die Zufuhr von bioidentischem Testosteron ausgeglichen, verbessert sich in vielen Fällen auch der Diabetes signifikant", sagt Jäger. Bioidentische Hormone haben dieselbe Struktur wie körpereigene Hormone.

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