Dänische Studie: Rad fahrende Diabetiker leben länger
Radfahren scheint sich bei Diabetikern vorteilhaft auf die Lebenszeit auszuwirken – unabhängig davon, welchen weiteren körperlichen Aktivitäten sie nachgehen. Wie eine dänische Studie nahelegt, lohnt sich auch der späte Einstieg.
(Kopenhagen, 4.8.2021) - Diabetiker haben allgemein ein erhöhtes Mortalitätsrisiko, insbesondere auch aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen. Durch eine gesunde Lebensweise können die Patienten allerdings einiges dazu beitragen, diese Situation zu verbessern.
Ob regelmäßiges Radfahren bei Diabetes das Leben verlängert, und ab welcher Trainingsdosis ein positiver Effekt einsetzt, haben jetzt Mathias Ried-Larsen vom Centre for Physical Activity Research im Rigshospitalet, Kopenhagen, und Kollegen untersucht (JAMA Intern Med 2021; online 19. Juli).
Die Forscher nahmen 7459 erwachsene Patienten mit Diabetes aus zehn westeuropäischen Ländern in die European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition(EPIC)-Studie auf. Die Teilnehmer, die zu Studienbeginn durchschnittlich 56 Jahre alt waren, gaben zwischen 1992 und 2000 sowie fünf Jahre nach der ersten Befragung unter anderem Auskunft über ihren Lebensstil.
Von insgesamt 5423 Teilnehmern konnten die Daten beider Untersuchungen ausgewertet werden. Zu Beginn der Studie wurden die Probanden danach gefragt, wie viel Zeit sie wöchentlich auf dem Fahrrad verbrächten. Bei der zweiten Untersuchungen erkundigten sich die Studienautoren nach Veränderungen der sportlichen Aktivitäten auf dem Rad.
Dosisabhängiger Lebenszeitgewinn
Während einer Beobachtungszeit von 110.944 Personenjahren (PJ) ereigneten sich 1673 Todesfälle aus verschiedenen Ursachen. Für die Radler ergaben sich in der multivariablen Analyse, in der auch andere sportliche Betätigungen, die Dauer der Diabeteserkrankung, der Bildungsstand sowie Lebensstilfaktoren berücksichtigt wurden, folgende Vorteile bei der Gesamtmortalität: Bei Personen, die bis zu 59 Minuten wöchentlich in die Pedale traten, reduzierte sich die Gesamtmortalität gegenüber Diabetikern ohne Radfahrambition um 22 Prozent, bei einem Pensum von 60–149 Minuten wöchentlich um 24 Prozent, bei 150–299 Minuten um 32 Prozent und ab 300 Minuten um 24 Prozent.
Auch Diabetiker, die erst nach Studienbeginn auf das Rad gestiegen waren, profitierten: Im Rahmen der zweiten Analyse nach fünf Jahren, bei der Aktivitätsveränderungen erfasst wurden, stellten Ried-Larsen und Kollegen 975 Todesfälle in 57.802 PJ fest.
Der Überlebensvorteil gegenüber den Nichtradlern lag in der multivariablen Analyse bei denjenigen, die innerhalb der fünf Jahre ihre Aktivitäten auf dem Rad eingestellt hatten, nur noch bei 10 Prozent. 35 Prozent geringer als bei den Nichtradlern war dagegen jeweils das Sterberisiko derer, die in dieser Zeit erst mit dem Radfahren begonnen hatten oder bei ihrer anfänglichen Aktivität geblieben waren. Wurde nur die kardiovaskuläre Mortalität berücksichtigt, ergaben sich ähnliche Resultate.
Der sinkende Mortalitätsvorteil bei Personen, die 300 Minuten und mehr auf dem Rad saßen, könnte, so die Autoren, möglicherweise mit einem durch die lange Fahrzeit verbundenen erhöhten Unfallrisiko zusammenhängen. Weitere Studien seien erforderlich, um die Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Radfahren und Mortalität ausführlicher zu untersuchen.
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





