Corona-Impferfolg bei Diabetikern hängt vom HbA1c-Wert ab
Wie gut ein Typ-2-Diabetiker auf eine COVID-Impfung anspricht, lässt sich am HbA1c-Wert ablesen: Je besser der Diabetes eingestellt ist, desto stärker fällt die Immunisierung aus.
(Neapel, 3.1.2022) - Von der Qualität der Diabeteseinstellung hängt die Immunreaktion auf eine COVID-19-Impfung ab, berichtet ein Team um Dr. Raffaele Marfella von der Universität Kampanien „Luigi Vanvitelli“ in Neapel. Die Forscherinnen und Forscher warten mit einer guten und einer schlechten Nachricht auf.
Die schlechte Nachricht: Je höher der HbA1c-Wert bei der Impfung ist, desto geringer sind hernach die Spiegel neutralisierender Antikörper und desto schwächer fällt die antigenspezifische Antwort der CD4-Zellen aus. Die gute: Gelingt es, in der Post-Vakzinierungs-Periode den Blutzucker unter Kontrolle zu bringen, verbessert sich auch die Immunantwort.
Antikörper und T-Zell-Antwort untersucht
An der Studie nahmen 478 Erwachsene im Alter bis 60 Jahre teil. 277 hatten keinen Diabetes, 109 Patienten mit Typ-2-Diabetes waren gut eingestellt (HbA1c-Wert im Schnitt 6,5 Prozent) und 92 waren schlecht eingestellt (HbA1c im Schnitt 8,1 Prozent).
Drei Wochen nach der zweiten COVID-Impfung war bei den schlecht eingestellten Patienten die Neutralisierungskapazität virusspezifischer Antikörper deutlich reduziert, und zwar sowohl im Vergleich zu Probanden ohne Diabetes als auch zu gut eingestellten Typ-2-Diabetikern. Auch die Antwort der T-Helferzellen vom Typ 1 fiel stärker aus bei gesunden Probanden und gut eingestellten Diabetikern.
52 Tage nach Abschluss der Impfserie zeigte sich zudem, dass auch die Güte der Diabeteskontrolle in der Phase nach der Impfung eine Rolle spielt. Prinzipiell schnitten auch hier gesunde Probanden und gut eingestellte Typ-2-Patienten besser ab als schlecht kontrollierte Diabetiker.
Bei 57 anfänglich schlecht eingestellten Diabetikern war es allerdings gelungen, den HbA1c-Wert unter 7 Prozent zu senken. Das führte bei ihnen nach 52 Tagen zu einer signifikant höheren Konzentration virusneutralisierender Antikörper und einer verbesserten Antwort antigenspezifischer T-Zellen vom Typ CD4+ (im Vergleich zum Zustand 21 Tage nach Zweitimpfung).
Rechnerisch schlug eine Senkung des HbA1c-Wertes um 1,5 Prozentpunkte mit einer um 15 Prozent gesteigerten Immunantwort zu Buche. Patienten mit konstant schlechter Einstellung ihres Diabetes zeigten hingegen eine anhaltend reduzierte Immunantwort.
Keine Unterschiede zwischen Vakzinen festgestellt
Die meisten Studienteilnehmer hatten mRNA-Vakzinen erhalten, 17 Prozent waren mit vektorbasierten Impfstoffen geimpft worden. Irgendwelche Unterschiede in den immunologischen Reaktionen mit Blick auf die jeweils verwendeten Vakzinen konnten Marfella und Kollegen indessen nicht feststellen.
„Zwei Punkte stechen bei unseren Daten hervor“, folgern Marfella und sein Team. „Erstens verschlechtert eine Hyperglykämie in der Zeit der Impfung die Immunantwort, und zweitens verbessert sich nach Erreichen einer adäquaten Diabeteseinstellung während der Post-Vakzinations-Periode die Immunreaktion.“
Glykämiekontrolle sollte daher in der Pandemie den Standard der Versorgung darstellen, was wiederum auch den Beitrag der Diabetologen zum Erfolg von Impfprogrammen steigern würde.
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





