Corona hat der Diabetesversorgung genutzt und geschadet
COVID-19-Pandemie und nationale Diabetesstrategie: Vertreter führender Diabetesverbände in Deutschland ziehen eine gemischte Bilanz des zu Ende gehenden Jahres. Was 2020 passiert ist bei der Diabetesversorgung.
(Deutschland/Berlin) - Ärzte haben mit Blick auf die Versorgung der rund 7,7 Millionen Diabetes-Patienten in Deutschland eine eher gemischte Bilanz des zurückliegenden Jahres gezogen. 2020 sei von „außergewöhnlichen Ereignissen“ geprägt gewesen, die auch an der Diabetologie „nicht spurlos“ vorübergegangen seien, schreiben die Präsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Professor Monika Kellerer, und der Vorstandsvorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe, Dr. Jens Kröger, im Vorwort zum „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2021“. DDG und diabetesDE geben den Report gemeinsam heraus.
Starker Anstieg bei Ketoazidosen
So habe die Corona-Pandemie dazu geführt, dass die Behandlungszahlen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes sowohl in Arztpraxen wie auch in Krankenhäusern vorübergehend „Tiefststände“ erreicht hätten. Aus Angst vor Ansteckung hätten viele Patienten wichtige Kontrolltermine beim Arzt oder auch Schulungen bei Diabetes-Beratern ausgelassen. In den Krankenhäusern wiederum hätten viele Innere Abteilungen ihren regulären Betrieb eingeschränkt, um Kapazitäten für COVID-19-Patienten vorhalten zu können. „Dies führte in der Bevölkerung zu einer flächendeckenden temporären Minderversorgung“, betonen Kellerer und Kröger.
Die Auswirkungen des Corona-bedingten Lockdowns im Frühjahr seien bei einer Erkrankung wie Diabetes derzeit noch schwer abzuschätzen, so Kelllerer und Kröger. Eine Entwicklung zeichne sich aber bereits ab: So deute sich von März bis Mai ein deutlicher Anstieg der diabetischen Ketoazidosen bei Typ-1-Neumanifestationen im Kindes- und Jugendalter an.





