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CARE 4 YOUR HEART

Besonders Typ-2-Diabetiker sind von Herzinfarkten bedroht. Ein neuer Verein will sich verstärkt um die Herzgesundheit von Menschen mit Diabetes kümmern. Denn vor allem an Typ 2 Erkrankte versterben zwei bis vier Mal so häufig an Herz-Kreislauferkrankungen als Gesunde.

Ein neuer Verein will sich verstärkt um die Herzgesundheit von Menschen mit Diabetes kümmern. Denn vor allem an Typ 2 Erkrankte versterben zwei bis vier Mal so häufig an Herz-Kreislauferkrankungen als Gesunde. 

Der Vereinsvorstand gehört national wie international zur europäischen Spitze der Diabetologen in Österreich: Prim.a Dr.in Claudia Francesconi, Ärztliche Leiterin des Rehabilitationszentrums Alland, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Drexel (Obmann) Geschäftsführer des Forschungsinstituts VIVIT, Feldkirch ist Obmann des Vereins CARE 4 YOUR HEART, Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher, Leiter der Diabetesambulanz, Hanusch-Krankenhaus, Wien ist Kassier des Vereins CARE 4 YOUR HEART und Univ.-Prof. Dr. Raimund Weitgasser, Leiter des Kompetenz-Zentrums Diabetes, Privatklinik Wehrle-Diakonissen, Salzburg. 

Unterstützt von Novo Nordisk und Boehringer Ingelheim hat man das neue Webportal www.diabetesherz.at entwickelt, auf denen vor allem Patienten mit Typ-2-Diabetes die Zusammenhänge zwischen ihrer Erkrankung und einem erhöhten Risiko für eine – unter Umständen tödliche – Herz/Kreislauferkrankung erklärt werden. 

Zu den häufigsten Folgeschäden bei Diabetes-Patienten zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen). Diese erklären die hohe Krankheitshäufigkeit (Morbidität) und Sterblichkeit (Mortalität) bei den Betroffenen. Treten sie zusätzlich zur Stoffwechselerkrankung auf, kann die Lebenszeit der Patienten um zwölf Jahre verkürzt werden. Die Kontrolle des kardiovaskulären Risikos ist daher ein wesentliches Ziel im Management des Typ-2-Diabetes. 

Herzkranzgefäßerkrankungen sowie Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) sind die häufigsten zwei Arten von Herzerkrankungen bei Typ-2-Diabetikern. Erkrankungen wie Herzinfarkt und „Herzenge“ (Angina pectoris) treten bei Diabetikern zwei bis drei Mal häufiger als bei vergleichbaren Personen ohne Diabetes auftreten. Die Herzmuskelschwäche kommt bei Diabetikern sogar drei bis fünf Mal so häufig vor. An erster Stelle der Todesursachen liegt mit großem Abstand die koronare Herzkrankheit (KHK).2 Darunter versteht man die durch eine „Gefäßverkalkung“ (Atherosklerose) bedingte Verhärtung von Herzkranzgefäßen. Das häufigste Symptom der koronaren Herzkrankheit ist die Angina pectoris. Die zugrundeliegende Atherosklerose tritt bei Patienten mit Typ-2-Diabetes in einem früheren Alter auf als bei Nicht-Diabetikern, zeigt ein rasches Fortschreiten und führt häufig zu schweren Komplikationen wie Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder Schlaganfall.  

Metabolisches Syndrom 
Der überwiegende Teil der Fälle von Typ-2-Diabetes tritt meistens im Rahmen einer Anhäufung der folgenden Risikofaktoren („Metabolisches Syndrom“) auf: 

    • Veränderte Blutfettwerte (Dyslipidämie) 
    • Bluthochdruck (Hypertonie) 
    • Massives Übergewicht (Adipositas) 

Das führt zu einer erhöhten Neigung für die Bildung von Blutgerinnseln und verursacht bei Diabetes-Patienten eine beschleunigte Entwicklung einer Atherosklerose der Herzkranzgefäße, die sich von der bei Nicht-Diabetikern unterscheidet. Diese Atherosklerose ist mit einer reduzierten Schwelle für die Blutgerinnung und so mit einer beschleunigten Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) kombiniert.  

Kardioprotektion ist wesentlicher Therapiebestandteil 
Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung der koronaren Herzkrankheit sowie die gezielte Behandlung von Risikofaktoren in den Frühstadien der Erkrankung zählen wohl zu den wichtigsten Maßnahmen in der Betreuung von Diabetikern, insbesondere bei Personen des mittleren und höheren Lebensalters. 

Idealerweise werden Diabetes-Patienten so behandelt, dass Herzprobleme erst gar nicht auftreten, sprich, der behandelnde Arzt achtet genau auf Blutzucker, Blutdruck und Blutfette. Hinweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten durch genaue Patientenbefragung, sorgfältige körperliche Untersuchung und Techniken ohne Eingriffe in den Körper (z.B. EKG, Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität und Ultraschall-Doppler-Untersuchungen) gewonnen werden. Bei Diabetikern mit bekannter koronarer Herzkrankheit sollte außerdem eine Röntgenkontrastdarstellung der Herzkranzgefäße (Koronarangiographie) durchgeführt werden. Eine beträchtliche Zahl der Betroffenen weist atherosklerotische Veränderungen an den Gefäßen bereits zum Zeitpunkt der Diagnose des Diabetes auf, daher sollten eingreifende Maßnahmen, wenn möglich, schon in einem Stadium vor Auftreten des Diabetes beginnen.  

Das kardiovaskuläre Risiko kann durch multifaktorielle Maßnahmen gesenkt werden, zu denen Lebensstilmodifikation (gesunde Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme) und die effektive Kontrolle von Blutzucker, Blutdruck und Lipidstoffwechsel zählen. Im Unterschied zur Blutdruck- und Cholesterinsenkung ist der Effekt einer alleinigen intensiven blutzuckersenkenden Therapie auf das kardiovaskuläre Risiko und die Mortalität nach wie vor umstritten. Dazu trug unter anderem bei, dass für manch ältere Antidiabetika sogar eine potenzielle Erhöhung des kardiovaskulären Risikos gezeigt wurde. Aus diesem Grund fordern die Zulassungsbehörden für jedes neue Antidiabetikum den Nachweis der substanzspezifischen kardiovaskulären Sicherheit mit einer spezifischen, individuellen kardiovaskulären Endpunktstudie. 

Neue Wirkstoffe Empagliflozin und Liraglutid 
In der Therapie des Diabetes haben sich cholesterinsenkende Medikamente wie Statine besonders bewährt und werden daher empfohlen. Seit dem Jahr 2015 gibt es für einige wenige moderne antidiabetische Substanzen nun auch positive Daten hinsichtlich der Verhinderung von mitunter tödlich verlaufenden Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Typ-2-Diabetes. Dabei handelt es sich einerseits um Empagliflozin (Handelsname: Jardiance) ist ein Wirkstoff zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer. Andererseits gibt es Liraglutid, ein Antidiabetikum aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Es ist auch für die Behandlung von Übergewicht und Fettleibigkeit freigegeben. Liraglutid ist ein langwirksames Analogon des Inkretins GLP-1 und fördert unter anderem die Insulinsynthese und -freisetzung aus den Betazellen und verzögert die Magenentleerung. Dieses Medikament wird einmal täglich subkutan gespritzt. 

Diese positiven Studiendaten wurden von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aufgegriffen und die Anwendungsgebiete der jeweiligen antidiabetischen Substanzen wurden um die günstige Wirkung auf kardiovaskuläre Ereignisse erweitert. Für Patienten mit Typ-2-Diabetes bedeutet das einen großen Fortschritt in der Therapie: Durch den gezielten Einsatz von antidiabetischen Substanzen mit nachgewiesenem positiven Effekt auf Herz-Kreislauf-Ereignisse können Ärzte nun nicht nur die Blutzuckerkontrolle verbessern, sondern auch das Leben von Patienten mit Typ-2-Diabetes retten. 

www.diabetesherz.at