„Bei intensivem Training brauche ich keine Pumpe“

Von Elisabeth Schneyder – 26.3.2019
Ein Glück, gute Freunde zu haben. Umso mehr, wenn der Beste davon längst alles über ein Dilemma weiß, wenn man es selbst damit zu tun bekommt. „Für mich war die Diagnose kein großer Schock“, erinnert sich Thomas Führer an jenen Tag im Jahr 2012, an dem er erfuhr, dass er Typ-1 Diabetiker ist: „Mein bester Freund hatte das schon als Kind. Wir haben immer viel Zeit miteinander verbracht, waren Radfahren, Schilaufen und vieles mehr. Ich habe also genau gewusst, worum es geht, was er braucht und wie ich ihm helfen kann, wenn es ihm nicht gut geht. Und mir war klar, dass man damit ganz normal leben kann“.
Dass der Langzeit-Kumpel gleich nebenan wohnte, machte alles noch einfacher. Vor allem, weil dessen Vater als Obmann von „Diabär“ – also des Vereins für Diabetiker der Universitätsklinik Graz – fungierte und Thomas’ eigener Senior Harald Führer ob der Diagnose seines Sohnes kurzerhand beschloss, sich ebenfalls aktiv dort einzubringen. „Meine Eltern sagten, Du hast nun mal Diabetes, das lässt sich nicht ändern. Wir machen das Beste draus. Schau auf Dich“, schildert der junge Steirer.
Geschafft hat er dies bestens: Im Schi-Verein und in der Schule ebenso, wie als erfolgreicher Floorball-Spieler, der schon in Österreichs erster Liga (U-17) und im U-19-Nationalteam reüssierte. Ein tougher Sport (ähnlich wie Eishockey, aber auf trockenem Boden), den er auch weiterhin betreiben will, wenn die heuer anstehende Matura hinter ihm liegt und er sein Studium an der Leobener Montanuniversität beginnt. Mit seiner Vorwissenschaftlichen Arbeit hat Thomas überdies bereits einen Schritt Richtung Top-Karriere getan: Seine selbstgebaute und selbst programmierte Drohne, die Photovoltaikfelder mittels Infrarotkameras effizient auf Mängel inspizieren kann, beeindruckt Kenner schon jetzt.
Kurzum: Der junge Mann, der 2012 mit erschreckend hohen Werten direkt aus dem Familienurlaub ins Spital reisen musste, bringt garantiert jeden zum Staunen, der wenig über Diabetes weiß.
Dass er „eigentlich nie“ Probleme mit Diskriminierung zu erdulden hatte, erklärt sich Thomas Führer so: „Mein Vater hat mit den Lehrern und dem Direktor gesprochen, ich selbst mit den anderen Schülern. Auch darüber, warum ich manchmal plötzlich etwas essen muss oder wie sie helfen können, wenn ich eine Krise habe. Viele haben Hilfe angeboten – sogar die Frau in der Kantine, die anbot, mir auch dann etwas zu geben, wenn ich mal das Geld vergessen habe“.
Es sei eben sehr wichtig, sich um offene Kommunikation zu bemühen: „Natürlich gab’s ab und zu Fragen, weil die meisten Menschen ja kaum etwas über Diabetes wissen. Manche fragten, ob das tödlich ist. Und andere wurden zum Beispiel beim Duschen neugierig, weil sie meine Insulin-Pumpe für eine Art Walkie-Talkie hielten. Aber mehr war da nie“.
Auch mit dem Alltag kommt der angehende Student bestens klar: „Umgekippt bin ich noch nie. Der eine oder andere Hypo... ja, natürlich. Aber arg war’s nie. Ich habe eine Insulin-Pumpe und verwende Novorapid. Geh ich nur locker mit Freunden radeln, tue ich das mit der Pumpe. Beim Floorball-Training brauche ich sie aber nicht, obwohl ich gelegentlich zu zuckerhaltigen Sportdrinks greife, wenn ich nervös bin“. Beim Essen nimmt’s Thomas Führer ähnlich gelassen: „Ärzte werden das vermutlich nicht gern hören: Ich messe nicht jede Mahlzeit genau, sondern schätze sie ab. Sind jedoch Inhaltsstoffangaben auf der Packung beschrieben, richtige ich mich natürlich danach. Extrem süße Dinge meide ich sowieso. Kohlenhydrate aus Reis oder Nudeln sind sinnvoller für mich, weil ich da mehr davon habe“.
Natürlich, so betont Thomas Führer, wäre ein Leben ohne Diabetes leichter. Doch auch „mit“ sei’s „sehr gut managebar“, meint er dann heiter: „Wenn alle Bescheid wissen, man alles erklärt und darüber redet, kann man alle Probleme wegschaffen“. Nur eines dürfe Diabetes niemals sein: Peinlich. Denn wer sich schämt, klärt andere nicht auf. Und dies wäre in jedem Fall ein schwerer Fehler – für alle Beteiligten.