Appell zu mehr Darmkrebsvorsorge bei Diabetes
Menschen mit Typ-2-Diabetes nehmen die Darmkrebsvorsorge zu selten in Anspruch, warnt die Deutsche Diabetes Gesellschaft.
(Berlin, 14.10.2022) - Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Stiftung „LebensBlicke“ warnen vor dem erhöhten Darmkrebsrisiko bei Typ-2-Diabetes und weisen auf neue Angebote zur Vorsorge hin. So sei die Darmkrebsfrüherkennung per Stuhltest (IFOBT) unkompliziert und schnell zu Hause durchführbar, erinnern die Fachgesellschaft und die Stiftung in einer gemeinsamen Mitteilung.
Darmkrebsrisiko bei Typ-2-Diabetes erhöht
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bilden sich – im Vergleich zu gesunden Mitmenschen – häufiger bösartige Zellveränderungen im Dickdarm und anderen Geweben, heißt es in der Mitteilung.
„Das Darmkrebsrisiko ist etwa doppelt so hoch wie bei Stoffwechselgesunden. Besteht darüber hinaus noch eine familiäre Vorbelastung, erkranken Diabetespatientinnen und -patienten im Schnitt sogar bis zu 18 Jahre früher an dieser Krebsart“, warnt Professor Hans Scherübl, Vorsitzender der DDG-Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Krebs“.
Ursache für das erhöhte Erkrankungsrisiko bei Typ-2-Diabetes sind bestimmte Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse durch das mit der Stoffwechselerkrankung häufig assoziierte Übergewicht sowie die Wirkung des zugesetzten Insulins, oder auch ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel.
Auf familiäre Vorbelastung achten!
„Besonders darmkrebsgefährdet sind daher übergewichtige Menschen mit einem insulintherapierten Diabetes Typ 2“, führt Professor Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „LebensBlicke“, aus. „Gravierend ist, dass sich Adipositas und Diabetes weltweit zu regelrechten Epidemien entwickelt haben, sie in einer Wechselwirkung miteinander stehen und dadurch Krebserkrankungen begünstigen.“ So erkranken immer mehr jüngere Erwachsene unter 50 Jahren an Darmkrebs.
„Umso problematischer ist es, wenn Betroffene die Angebote der Darmkrebsvorsorge nicht wahrnehmen oder darüber zu wenig aufgeklärt werden“, mahnt Scherübl. Nach Angaben des Chefarztes vom Vivantes-Klinikum „Am Urban“ in Berlin betrage in einigen europäischen Ländern, wie den Niederlanden und England, die Teilnahmerate bei der Darmkrebsvorsorge mit Stuhlbluttests rund 70 Prozent.
Frühe Vorsorgekoloskopie bei mehreren Risikofaktoren!
Liegen neben einem Diabetes mellitus weitere Risikofaktoren wie Tabak- oder Alkoholkonsum, Übergewicht oder eine familiäre Belastung vor, übernehmen einige Krankenkassen inzwischen auch die Kosten für eine frühere Vorsorgekoloskopie – bei Männern bereits ab dem 40. Lebensjahr und bei Frauen ab dem 45. Lebensjahr. „Dieses Angebot sollten diese Hochrisikopatienten unbedingt nutzen“, empfiehlt Riemann. „Darmkrebs ist gut heilbar – aber nur, wenn er früh erkannt wird.“
Die Experten weisen darauf hin, dass in Zukunft die Darmkrebsvorsorge noch effektiver sein wird. Derzeit werde sehr erfolgreich an innovativen Bluttests, die mit Biomarkern arbeiten und die mikrobielle Erbsubstanz detektieren, sowie neuen Stuhltests, wie Multitarget-Stuhl-DNA-Tests, gearbeitet.
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/





